Aneides aeneus, Baumsalamander

Aneides aeneus, Baumsalamander

Kletternde Salamander waren ein Wunsch träum meiner Kindheit — damals ahnte ich nicht, daß es tatsächlich Urodelen gibt, die auf Bäumen leben. Molche und Salamander — sind sie nicht im allgemeinen das Sinnbild des Kriechenden, Erdverhafteten? Als ich später einen Artikel von H. Geyer über Baumsalamander in die Hände bekam, stand es fest, daß diese Tiere meine besonderen Lieblinge werden würden.
Ein glücklicher Zufall wollte es, daß ich im August gerade die schönste Art dieser Gattung, Aneides aeneus Cope & Packard, erhielt. Meine Freude war unbeschreiblich, zumal die Chancen, diesen Salamander zu erhalten, schon immer gering waren. Die Heimat dieser Art sind die Apalachen, sie kommt in großen Teilen dieses nordamerikanischen Gebirges vor, doch anscheinend nirgends häufig. Nach Europa gelangten diese Molche selten und in kleiner Zahl.
Geyer berichtet in seinem oben erwähnten Artikel, daß sein Gewährsmann die Tiere
in etwa 1000 m ü. M., unter der losen Rinde abgestorbener Laubbäume, fand. Kein Stück wurde am Boden gefunden. Unter der Rinde wimmelte es von Regenwürmern, und es wurde angenommen, daß diese Würmer den Salamandern als Hauptnahrung dienten. Der Fänger und Geyer fütterten vornehmlich mit Regenwürmern, Geyer auch mit Kerbtieren. Ich selbst machte abweichende Feststellungen, doch davon später. Andere Beobachter fanden A. aeneus vorwiegend in Felsspalten, die Angaben über die bevorzugten Wohnplätze sind also verschieden. Eins aber steht fest, und darin stimmen Freiland- und Gefangenschaftsbeobachtungen überein: A. aeneus ist ein ausgezeichneter Kletterer, und ein großer Teil seines Lebens spielt sich über der Erde ab. Dazu wird er durch verbreiterte Zehenspitzen befähigt, die als Saugnäpfe dienen. Kleine Spannhäute zwischen den Zehen vergrößern die Haftfähigkeit.


Durch ihre Lebensweise gehören diese Salamander zu den interessantesten Urodelen, durch ihre Färbung zu den schönsten. Sie sind schwarz mit grünem, flechtenähnlichem Muster, oft überwiegt das Grün. Dieses hat metallischen Schimmer, worauf auch der Name (aeneus  lat.: ehern, bronzen, kupfern) hinweist. Die Unterseite des Körpers ist hell, farblos. Das Auge hat eine schöne goldene Iris. Die Größe erwachsener Tiere soll 10—12 cm betragen.
Bei Erhalt waren meine Exemplare 41, 45 72 und 82 mm groß, somit noch juvenil. Es galt jetzt, den Tieren optimale Bedingungen zu bieten, denn mir lag sehr daran, sie großzuziehen und später die Zucht zu versuchen. Meine Hoffnungen waren nicht allzu groß, denn die Erfahrungen anderer Liebhaber mit dieser Art waren meist negativ. Den Boden eines Terrariums mit den Maßen 50 X 35 X 35 cm bedeckte ich dünn mit Erde, die ich mit Moospolstern belegte. Quer durch den Behälter legte ich das hohle Aststück eines Walnußbaumes, darauf wurden leicht gewölbte Zierkorkstücke so plaziert, daß flache Zwischenräume entstanden. Zusätzlich lehnte ich zwei Schieferplatten aneinander, so daß zwischen beiden genügend Raum für die Tiere blieb. Damit versuchte ich, beide Lebensräume, Fels und Baum, zu bieten. Bevorzugt wurde nichts, entscheidend scheint die Enge der Schlupfwinkel zu sein.
Als Futter bot ich zunächst Regenwürmer an. Einige wurden zwar genommen, aber sicher nur aus großem Hunger, denn später rührten sie fast nie mehr einen an. So mußte ich mich nach geeignetem Futter umsehen, denn es war mir bald klar, daß dies der Schlüssel zum Erfolg ist. Ich fütterte Fliegen, Spinnen, Asseln, Zikaden, Springschwänze und kleine Mehlwürmer. Wenn man Fliegen fängt, so ist Vorsicht geboten, sie können durch Insektizide oder Fliegenpilze, Empusa muscae, vergiftet sein. Essigfliegen sollte man in Maßen verfüttern, sie enthalten zuviel gärende Stoffe in ihrem Verdauungstrakt. Von Spinnen sind Wolfsspinnen empfehlenswert, sie sind nur mäßig kannibalisch veranlagt und bauen keine Netze. An Asselarten sind zwei sehr begehrt, eine bräunliche, die in Komposthaufen lebt, und eine sehr flinke, die man im Fallaub findet.


Das Futter kommt einfach ins Terrarium und fällt bald den herausgeschleuderten Zungen zum Opfer. Obwohl die Salamander sehr scheu sind, kann man sie doch manchmal bei der Jagd beobachten. Langsam schleichen sie sich an, ist es z. B. eine Fliege, so werden die Bewegungen immer langsamer, schließlich kaum sichtbar. Die letzte Distanz wird mit einem Sprung zurückgelegt. Gleichzeitig wird die Zunge herausgeschleudert — und fort ist der Happen.
Die Entwicklung der Tiere verlief zufriedenstellend, bis ein Salamander apathisch in der Ecke saß, ohne sichtbare Atmung, d. h. Kehlbewegung. Ich nahm ihn vorsichtig heraus, dabei bemerkte ich, daß das Moos trocken war, und daß sich der Salamander offensichtlich nicht häuten konnte. Ich setzte ihn ins Wasser und rieb ihm dann vorsichtig die Haut herunter. Am nächsten Tag war sein Befinden wieder normal. Von nun an achtete ich besser auf die Feuchtigkeit im Terrarium und stellte zusätzlich eine kleine flache Schale mit Wasser hinein. Diese wurde oft zum Baden aufgesucht, häufig setzten die Tiere auch ihre Exkremente darin ab.
Eine eigenartige, auch bei anderen Aneidesarten beobachtete Ruhehaltung besteht darin, daß die Zehenspitzen leicht angehoben werden, also nicht das Substrat berühren. Man hat den Eindruck, als diene dies zur Schonung der Saugnäpfe.
Im Verlauf der Zeit stellten sich die drei größeren Tiere als Männchen heraus, erkennbar an Paarungsversuchen und größeren, breiteren Köpfen. Nun war die bange Frage: Wird das kleinste Exemplar ein Weibchen sein? An Paarergänzung war nicht zu denken, allen mir bekannten Liebhabern waren die Tiere eingegangen. Im November  deuteten alle Anzeichen darauf hin, daß mir das Glück hold war. Das kleinste Exemplar hatte 100 mm erreicht und den schmalen Kopf behalten, auch sah man helleStellen durch die Bauchhaut schimmern: Laichansatz. Im Frühjahr sah man dann deutlich die Eier. Da es von den Männchen dauernd verfolgt wurde, nahm ich die Männchen Anfang Mai heraus, das war sicher ein Fehler. Bis zum Herbst ereignete sich nichts, und ich setzte die Männchen wieder in den Behälter. Bald danach waren die Eier verschwunden, wahrscheinlich zurückgebildet.
Erst im Frühjahr  sah ich den nächsten Laichansatz und nahm die Männchen erst am 11. 7. aus dem Terrarium. Danach sah ich das Weibchen nicht mehr. Am 29. 7. vermeinte ich unter dem Zierkork Eier zu sehen, eine Kontrolle mit der Taschenlampe bestätigte es. Das gab eine schlaflose Nacht, denn nun war ich der Erfüllung eines großen Wunsches nähergerückt. Es war nur noch nicht klar, ob die Eier auch befruchtet waren. Als sie im Verlauf einer Woche nicht verpilzten, war auch dieser Zweifel beseitigt. Nun hieß es warten, zwei, drei selbst vier Monate werden als Zeitigungsdauer für Aneideseier angegeben. Das Weibchen blieb immer bei den Eiern, nie wurde es beim Futterfang beobachtet, obwohl ich es reichlich mit Fliegen und Spinnen versorgte. Nur manchmal sah ich es im Wassernapf, nach meiner Vermutung nahm es Wasser auf, um es in irgendeiner Form an die Eier abzugeben. Auch exkrementierte es dort während dreier Monate 9—lOinal, ein sicheres Zeichen, daß es während dieser Zeit Nahrung zu sich nahm. So vergingen drei Monate. Morgens und abends galt mein erster Blick den Eiern. Am 28. 10. erschienen sie eigenartig matt und uneben, ich befürchtete Eintrocknung und hob den Kork hoch. Aber ich hatte dem Weibchen Unrecht getan, es war lediglich etwas Erde an den Eiern. Sie hingen an zwei Gallertsträngen am Kork, es waren acht Stück von etwa 5 bis 6 mm im Durchmesser. Alle waren entwickelt, bei einigen war Dotter sichtbar oder der grün- schwarze Rücken eines Jungtieres. Vorsichtig legte ich den Kork wieder an die alte Stelle. Das Weibchen, welches geflüchtet war, hatte nach einer halben Stunde seine alte Stellung wieder eingenommen. Am 11. 7. entdeckte ich die ersten Jungtiere. Somit ergibt sich eine Entwicklungsdauer zwischen 101 und 119 Tagen, wobei berücksichtigt werden muß, daß die Temperaturen manchmal nur 12—14 °C betrugen.
Die Größe der Jungtiere betrug im Durchschnitt 20 mm. In der Färbung glichen sie den Eltern, nur war das Grün noch nicht so leuchtend, etwas grau getönt. Am 10.11. trennte ich die Jungtiere, zwei blieben beim Weibchen, sechs kamen in eine flache Plastedose. Einrichtung: 2 flache aufeinanderliegende Stückchen morscher Rinde füllten eine Seite aus, ein Moospolster die andere, alles war schnell auswechselbar und hat sich als sehr praktisch erwiesen. Am 13. 11. sah ich die erste Häutung. Am 21. 11. fand ich nur noch ein Jungtier beim Weibchen, das andere blieb trotz sorgfältiger Suche verschwunden. Da mir eine Überwinterung solch winziger Tiere zu riskant erschien, beschloß ich, sie im Winter zu füttern, bei Temperaturen von 15—22 °C. Am 22. 11. war bei allen der Dottervorrat noch nicht erschöpft.
Wo nun im Winter so winziges Futter hernehmen? Ein glücklicher Zufall zeigte mir eine gute
Futterquelle. Ich holte aus dem Wald morsches Holz und klopfte es aus. Die Beute bestand aus Springschwänzen, kleinen Spinnen, Fliegen und Asseln. Ähnliches findet man auch in altem Laub. Der Gebrauch eines Insektensaugers ist dabei von großem Vorteil.
Am 7.12. beobachtete ich ein Jungtier mit sehr unbeholfenen Bewegungen der Hinterbeine, augenscheinlich waren die Knochen zu weich. Vermutlich waren es rachitische Erscheinungen, verursacht durch Mangel an Vitamin D. Obwohl bei Urodelen meines Wissens so etwas noch nicht beobachtet wurde, blieb mir keine andere Deutung der Symptome. Eine Woche später zeigte ein weiteres Exemplar gleiche Erscheinungen. Sonnenbestrahlung der Tiere oder des Futters erschien mir zu aufwendig und gefährlich, so kaufte ich Vitamin D für Tiere . Damit wurde der Insektensauger innen hauchdünn eingeölt. Es stellte sich bald eine Besserung ein, nur blieben die erkrankten Tiere im Wachstum zurück. Am 19. 2.  ergab sich folgendes Bild: Die gesunden Jungtiere maßen durchschnittlich 35 mm und waren in bester Verfassung. Das am stärksten erkankte Jungtier maß nur 26 mm, aber die Beine waren wieder voll bewegungsfähig und fast normal gewachsen. Der andere Kranke war 31 mm groß, die Beine nahezu normal. So war die Gefahr abgewandt, und es stand der weiteren Entwicklung der Jungtiere nichts im Wege.

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