Betta splendens – Kampffische (Zucht)

Wer hat nicht schon einmal im Zoofachgeschäft oder bei befreundeten Aquarianern die Männchen des Kampffisches bewundert, von denen eins schöner ist als das andere? Nun stellen Sie sich vor: Wir wollen Betta splendens zum ersten Mal pflegen, verfügen aber nicht über die nötige Sachkenntnis. Bei der ohnehin schwierigen Wahl suchen wir uns statt eines Männchens zwei oder drei aus und kaufen noch ein paar Weibchen dazu. Betta spl.Zu Hause werden alle Exemplare gemeinsam, vielleicht noch in einem Gesellschaftsbecken, ungeachtet der Temperatur, untergebracht. Nach einiger Zeit können wir beobachten, wie sich zwei unserer Männchen mit weit gespreizten Flossen und einer stärker als sonst ausgeprägten Färbung umschwimmen. Aber es geht uns wie dem Unwissenden, der eine Flasche entkorkt, in der ein kleiner Geist wohnt — denn bald ist der Teufel los. Die Tiere, die ihren Namen nicht umsonst tragen, fahren aufeinander los, daß die Flossenfetzen durch das feuchte Element treiben. Schlußfolgerung: Auf ein Männchen je Becken beschränken!

Unterschiedlich wird die Frage nach der optimalen Temperatur für Kampffische beantwortet. Einige  meinen, der Kampffisch entfalte seine Lebhaftigkeit erst bei einer Temperatur von 28-30 °C. Nach meinen Erfahrungen aber ist eine erfolgreiche Pflege auch bei geringeren Temperaturen (22 bis 25 °C) möglich. Auf die Ansprüche während der Zucht komme ich später noch zu sprechen.

Zucht

Pflegen wir nun die Absicht, Betta splendens zu züchten — und welcher Aquarianer möchte das nicht — muß vorher noch einiges zur Fütterung gesagt werden. Kampffische neigen zur Verfettung, benötigen also eine abwechslungsreiche Kost, bei der man nie Wasserflöhe vergessen sollte. Allerdings möchte ich einen Fall erwähnen, der meiner Erfahrung zu widersprechen scheint. Vor 14 Jahren hatte ich die Gelegenheit, bei dem inzwischen leider zu früh verstorbenen Vorsitzenden unserer Interessengemeinschaft eine solche Ausnahme in Augenschein zu nehmen. Es wurden hauptsädilich Enchytraeen gereicht, und zwar im Verhältnis 1:1. Meine Vermutung, verfettete Exemplare vorzufinden, erwies sich als falsch, nachdem ich mir alle Zuchttiere genau estens angeschaut hatte.

Man kann das übrigens am besten bei den Männchen beurteilen. Sind ihre Bäuche nach eintägigem Fasten immer noch so dick, wie die der Weibchen, kann von einer Verfettung gesprochen werden. Deshalb sollten wir auch beim Erwerb der Männchen möglichst die schlankeren aus wählen. Als ich dann Herrn Prager die Frage stellte, weshalb er verhältnismäßig viele Enchytraeen verfüttere, bekam ich

Betta spl.2

zur Antwortdaß nach seinen Erfahrungen die Weibchen bei einem solchen Menü sehr stark Laich ansetzen.
Zerfetzte Flossen sind das Ergebnis der Balzkämpfe
Bei der Paarung umschlingt das Männchen das Weibchen und dreht es auf den Rücken. Die Paarung ist beendet. Ermattet gleitet das Weibchen . aus der Umschlingung Verfasser einem solchen Menü sehr stark Laich ansetzen. Wenn das Weibchen allerdings erst einmal Laich angesetzt hat, muß sofort die Zucht in die Wege geleitet werden. Nun interessierte ich mich für die Größe der Gelege und staunte nicht wenig, als mir Herr Prager eine Stückzahl offenbarte, die sich um 600—750 belief. Ich selbst hatte einmal Kampffische gezüchtet, etwas mehr als 200 Junge erhalten, und diese Zahl ziemlich hoch gefunden.

Aber die Geschichte hat noch einen Haken. Herr Prager teilte mir mit, daß die Stärke eines Geleges weitgehend von der Größe des Beckens beeinflußt wird, in dem man die Zucht ansetzt. Da es ihm manchmal an Platz mangelte, hielt er mitunter ein Pärchen in einem Zuchtbecken der Ausmaße 20X15X15 cm, in dem beide Partner mittels einer Glasscheibe getrennt werden mußten. Befindet sich nämlich das Männchen beim Bau des Schaumnestes, stellt es Revieransprüche, die das Volumen des erwähnten Zuchtbehälters übersteigen und nur in einem größeren Aquarium befriedigt werden könnten.

Das Männchen würde hier das Weibchen aus seinem Revier vertreiben. Um ernst ausgehende Differenzen von vornherein auszuschalten, nimmt man die Trennscheibe erst weg, wenn der Nestbau abgeschlossen ist, und das Männchen beginnt, mit der Balz die Paarungen einzuleiten. Nach dem Laichen fängt man das Weibchen so bald wie möglich heraus, will man verhindern, daß sein Flossenkleid bald in Fetzen am Leib herunterhängt. Bei solch einer Zucht bleibt die Zahl der Jungen weit hinter der oben genannten zurück, es kommen etwa 250 bis 350 zur Welt. Als der „Betta splendens-Lehr¬gang“ so weit fortgeschritten war, ging mir ein Licht auf, und ich berichtete Herrn Prager folgendes Erlebnis: Bei der Paarung hatte das Weibchen in einem Aquarium von 40x25x25 cm abgelaicht, worauf ich das Weibchen in einem kleineren Becken unterbrachte. Dort baute es nach drei Tagen ein Nest. Ich fand das schon unnatürlich, wunderte mich aber noch mehr, als sich Tags darauf eine Menge Eier im Nest befand. Um es kurz zu machen: Größere Gelege erzielen wir, indem wir ein Becken von ungefähr 50X30X30 cm verwenden und mit der Bepflanzung einige — am besten in den Hinterecken gelegene — Versteckplätze für das Weibchen schaffen. Hat das Weibchen gelaicht, langen wir es nicht heraus, da die Partner hier genügend Platz haben. Gefüttert wird nur so¬viel, wie von den Fischen verzehrt werden kann. Nach vier oder fünf, manchmal sogar schon nach drei Tagen, können wir beobachten, daß eine erneute Eiablage erfolgt.

Das Weibchen kümmert sich gar nicht um die bereits unter dem Nest hängenden Jungen vom ersten Gelege. Wir entfernen es nach diesem zweiten Laichakt aus dem Becken, nach zwei Tagen wird auch das Männchen isoliert. Von Nachteil ist bei dieser Zuchtmethode, daß wir Jungfische zweierlei Alters mit unterschiedlicher Nahrung versorgen müssen. Wenn dann später von allen grobes Futter verspeist wird, ist diese Schwierigkeit beseitigt. Zum ändern benötigen wir unbedingt ein Becken der Ausmaße 50×30 x30cm oder gar 70x25x25 cm, denn über 500 Jungfische sind eine beträchtliche Anzahl. Fällt das Gelege noch produktiver aus, kann man es in zwei, drei oder sogar vier „Portionen“ teilen und in verschiedenen Aufzuchtbecken unterbringen. Das macht die Fütterung leichter. Denkt man an die vielen Nahrungstierchen, die, in nur ein Becken gegeben, üble Verunreinigun¬gen herbeiführen können, indem von ihnen eine bestimmte Anzahl zugrunde geht — hinzu¬kämen noch die Exkremente der Fische — kann man einer Zucht mit geteilten Gelegen nur das Wort reden.

In der ersten Zeit halten sich die jungen Kampffische direkt unter der Wasseroberfläche auf. Es ist besser, wenn wir jetzt den Wasserstand etwas senken. Bezüglich der Temperatur möchte ich noch folgendes hinzufügen: Manchmal wird geraten, Betta splendens bei 28 bis 30 °C zu züchten. Meine eigenen Erfahrungen haben jedoch ge¬zeigt, daß durchaus bei einer Temperatur von 25 °C, notfalls sogar bei 21 °C, gelaicht wird. Ich bevorzuge in meinem Zuchtbecken 23 °C Was¬sertemperatur und erziele damit einen nur geringen Unterschied zur Lufttemperatur.

Das ist vor allem wichtig, wenn die Jungtiere beginnen, atmosphärische Luft aufzunehmen. Herrscht im Becken eine Wassertemperatur von 28—30 °C, kann die Lufttemperatur mit Hilfe einer Deckscheibe angenähert werden. Die Deck¬scheibe wird beim Füttern jedoch oft entfernt, so daß die Wirkung nicht selten ausbleibt. Befindet sich in der Deckscheibe eine Öffnung für einen Luftschlauch, so haben wir die Mög¬lichkeit einer Durchlüftung, wodurch wir eine gute Futterzirkulation erreichen. Doch warum soll man überhaupt eine so hohe Temperatur wählen, wenn eine niedrigere zum gleichen Er¬folg führt? — Während das Schaumnest vorhan¬den ist, darf natürlich nicht durchlüftet werden! Es ist klar, daß die Jungen bei 23 °C etwas langsamer wachsen werden. Ich habe das allerdings hei meinen Exemplaren noch nicht kontrolliert.
Anfangs versorgen wir den Kampffisch-Nach¬wuchs mit Tümpelinfusorien, aber schon vom dritten Tag an werden frisch geschlüpfte Sali- nenkrebschen verspeist. Nun dauert es nicht mehr lange, und wir können das Menü für die heranwachsenden Jungfische mit feinen Wasserflöhen bereichern.

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1 Antwort

  1. Aqua1 sagt:

    Danke! Ich möchte mir jetzt auch Kampffische zulegen.

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