Die Krankheiten der Diskus-Fische

Anmerkung: Dieser Beitrag wurde 1986 veröffentlicht.

Qualität der Diskus-Pflege und die Anfälligkeit der Fische gegenüber Krankheiten stehen unter Umständen in einem engen Zusammenhang. Diese Feststellung muß natürlich relativ bleiben, da man auch das größte Aquarium nicht mit den Heimatgewässern unserer Pfleglinge vergleichen kann. Oft spielt auch das Glück dabei eine Rolle, da der parasitäre Befall eines Fisches, der ja in irgendeiner Form permanent vorhanden ist, bei einem Kauf neuer Tiere nicht festgestellt werden kann. Manchmal bekommt man von recht gesund erscheinenden Eltern Jungtiere, die schon bald nach dem Umsetzen in das für sie fremde Beckenwasser zu japsen beginnen und bald darauf eingehen. Daraus kann man meist kaum jemandem einen Vorwurf machen, da ja wohl kein Züchter bekannt kranke Tiere weitergibt. Nun werden Sie sagen, daß aber Wildfänge, die ja noch in den weiten Gewässern des Amazonas und des Rio Negro aufgewachsen sind, sicherlich kerngesund sein müßten. Dem ist nicht so, wie unlängst Dr. G. Schubert von der Universität Stuttgart-Hohenheim nachwies. Er beschreibt, daß keines der von ihm untersuchten Tiere völlig gesund war. Ohne Ausnahme waren die Fische mit Parasiten behaftet, die einen mehr, die anderen weniger. Daraus ist zu schließen, daß auch wohl kaum ein Diskus-Züchter oder -Halter ausschließlich völlig gesunde Tiere in seinen Becken schwimmen hat.

Unsere Fische sind also in irgendeiner Form mit Krankheiten behaftet. Dagegen kann man in erster Linie eines tun: Man kann Vorbeugen und der überstarken Vermehrung der Schmarotzer durch möglichst gute Haltungsbedingungen entgegenzutreten versuchen. In der Natur hat sich offenbar zwischen den Fischen und ihren Feinden, den Parasiten, eine Art Gleichgewicht eingespielt, das aber durch ungünstige Umwelt-Bedingungen in der Gefangenschaft bald gestört werden kann — zum Schaden der Fische. Wenn die Tiere nach dem Fang, der ja für sie sicher mit einem Schock verbunden ist, der Reise im Plastikbehälter zur Station, der dortigen Eingewöhnung, dem Verpacken in einen Plastikbeutel und dem möglichen langen Flug mit leichter Unterkühlung, der erneuten Eingewöhnung beim Importeur oder Händler, dem wiederholten Transport und dem vorerst endgültigen Einsetzen in das Pflegebecken, schließlich in ihrer letzten Behausung gelandet sind, haben sie schon allerhand über sich ergehen lassen müssen. Es ist daher kein Wunder, wenn routinierte Pfleger zuerst einmal alles daran setzen, die Tiere bei möglichst idealen Bedingungen zur Ruhe kommen zu lassen. Dazu gehört ein möglichst großes Aquarium mit dunklen Ecken und Verstecken, ein weiches und mittelsaures Wasser sowie eine möglichst abwechslungsreiche Kost, in der verschiedene Insektenlarven nicht fehlen sollen. Das Nicht-gestört-Werden ist eine ebensolche Voraussetzung wie die Einhaltung der vorgenannten Punkte.

Durch die verschiedenen Veröffentlichungen bekannter Wissenschaftler, voran Dr. Reichenbach-Klinke, Dr. Schubert und Dr. Herkner, wissen wir Diskus-Pfleger, mit welchen Plagegeistern unserer Fische wir es alles zu tun haben. Dabei sind die bei „anderen“ Aquarianern so gefürchteten Ichthyo-Infek-tionen gar nicht berücksichtigt, denn die Haltung der Diskus-Fische zählt ja — zumindest in einigen speziellen Punkten — zur „hohen Schule“ der Aquaristik, und wer mit einer Ichthyo-Plage nicht klarkommt, ist eben noch nicht reif für die Diskus-Haltung . . . sagt man.

Im allgemeinen kennt man sechs Plagen, die die Fische quälen können: Die Larven des Bandwurms und Saugwurms, Fadenwürmer, Geißeltierchen (Spironucleus oder Hexamita), Kiemenwürmer, die Lochkrankheit (die u. U. eine Identität mit Schädigungen durch Geißeltierchen haben kann) und Tuberkulose. Dabei ist nicht gesagt, daß damit der Kreis der Schädlinge schon genau begrenzt ist. Es werden von Zeit zu Zeit neue Parasiten festgestellt, die sich durchaus auch in unseren Diskus-Fischen breit gemacht haben können.

Band- und Saugwurmlarven leben in fast allen Organen der Fische. Sie parasitieren in den Fischen, entwickeln sich jedoch nicht zu fortpflanzungsfähigen Würmern weiter, so daß sie sich nicht zu einer großen Plage ausbreiten können. Die Diskus-Fische sind also nur ein Zwischenwirt. Erst wenn so ein Fisch in der Natur von einem größeren Räuber gefressen wird, beginnt die Weiterentwicklung der Larven. Es kann allerdings Vorkommen, daß Importtiere mit Larven überbesetzt sind und schließlich daran zugrunde gehen. Eine Möglichkeit zur erfolgreichen Bekämpfung der Larven ist noch nicht bekannt.

Fadenwürmer können für die Fische nicht nur eine große Belästigung bedeuten, sondern auch die „Nägel zum Sarg“ sein. Diese sehr dünnen Parasiten werden (n. Schubert) bis zu 2 cm lang und schaffen durch ihr Verbeißen in den Darmwänden oft große Wunden, die es wiederum den Geißeltierchen ermöglichen, durch diese Wände zu anderen Körperorganen der Fische vorzudringen. Eine Bekämpfung dieser Parasiten ist nicht bekannt.

Das Geißeltierchen (Spironucleus, früher Hexamita oder Octomitus). Bei dieser schlimmen Plage haben wir es mit einem Flagellaten zu tun, der primär den Darm der Fische in großen Mengen bewohnt. Die Wissenschaftler sind der Ansicht, daß ein bloßes Schmarotzen dieser Parasiten im Darm der Fische noch keinen tödlichen Schaden anrichtet. Wenn die Flagellaten, durch irgendeinen Umstand (s. „Fadenwürmer“) begünstigt, den Darm verlassen können und in die Blutbahn oder in andere Organe wandern, sieht es für den Fisch schlimm aus. Sie werden dann auch außer in den Darm-, Haut- und Muskelpartien auch in der Gallenflüssigkeit und in der Leber der Fische angetroffen (Herkner). Auf dem Weg über das Blut gelangen die Parasiten wahrscheinlich auch in die Kiemenregionen (Amlacher).

Durch die Enge des Aquariums ist die Verbreitung des Spironucleus natürlich leichter möglich als in großen natürlichen Wasserräumen. Die mit den Verdauungsrückständen abgegebenen Flagellaten finden im heimischen Becken eher wieder ein Wirtstier.

Uns Aquarianer interessiert in erster Linie, was wir gegen einen Befall mit diesen Schmarotzern tun können. Der Diskus-Fisch ist ja nicht die ausschließlich befallene Art. Spironucleus leben auch im Darmtrakt von Skalaren sowie einigen anderen Buntbarscharten (z. B. Geophagus). Es ist also durchaus möglich, daß Diskus-Fische bei einer Vergesellschaftung mit solchen anderen Arten von diesen infiziert werden, wie es auch möglich ist, daß sich der Befall mit den Geißeltierchen durch hintereinanderfolgendes Hantieren in verschiedenen Aquarien übertragen kann. Gegen die Schmarotzer gibt es zwei verschiedene Bekämpfungsarten: Das noch nicht allzulange auf dem Markt befindliche „HEXA-ex“ der Firma Zoomedica Frickhinger und das ursprünglich nicht für die Bekämpfung dieser Parasiten entwickelte „Clont“ von Bayer. Beide Mittel sind in erster Linie für eine vorbeugende Behandlung gedacht. Das gilt natürlich auch dann, wenn in einem Becken neue Tiere zugesetzt werden. Da man vielen Fischen das Stadium der Krankheit nicht ansehen kann, muß man eine vorbeugende Behandlung anwenden. Fische, die schon zu stark durch den Befall mit Spironucleus geschädigt sind, kann man meist nicht mehr retten. Während wir es bei „HEXA-ex“ mit einem eigens für die Aquaristik entwickelten Präparat zu tun haben, wurde „Clont“ gegen einen Parasiten in den menschlichen Geschlechtswegen auf den Markt gebracht. Das Mittel ist verschreibungspflichtig und in unterschiedlichen Formen erhältlich. Für uns sind Tabletten richtig. Nach Schubert benötigt man bei der Bekämpfung 4 mg aktiver Substanz je Liter Wasser. Da eine Tablette 250 mg enthält, reicht sie also für 62,5 Liter. Die Kur dauert vier Tage. Es darf während dieser Zeit nicht über Aktivkohle gefiltert werden. Erst nach Abbruch der Kur wird die Kohle eingesetzt, um die Rückstände des Medikamentes wieder aus dem Wasser zu entfernen.

Kiemenwürmer sind eine ebensolche Plage für den Diskus-Fisch, wie die vorgenannten Flagellaten. Sie kommen in Wildfängen und Nachzuchten vor. Man unterscheidet verschiedene Arten. Sie können sich stark ausbreiten und sind dann natürlich mit wachsender Zahl immer gefährlicher für die Fische. Meist erkennt der Pfleger starkes Vorkommen dieser Würmer daran, daß seine Fische ständig kurz und hart atmen, wobei das Maul immer kurz voll geöffnet wird. Man sieht, wie sich der Fisch quälen muß. In früheren Jahren versuchte man, den Würmern mit Kochsalzbädern und ähnlichen Lösungen beizukommen. Es war aber in erster Linie für die Fische eine große Strapaze. Jetzt wurde, wiederum von Bayer, das Mittel „Masoten“ zur Bekämpfung von Ektoparasiten „bei Fischen“ (gedacht ist an Nutzfische) herausgebracht, das für unsere Diskus-Fische ebenfalls hervorragend geeignet ist. Da es aber, wie erwähnt, für die Nutz-(Teich-)fischerei gedacht ist, kann man es nur in einer 500-g-Packung kaufen. Damit kommt ein Diskus-Pfleger Jahre aus! Es werden nämlich nur 0,4 mg/1 zur Bekämpfung benötigt. Das klingt zwar kompliziert, ist aber, wie sich herausstellt, halb so schlimm in der Anwendung. Beim Kauf des Medikamentes läßt man sich in der Apotheke die benötigte Menge abwiegen, füllt sie in ein kleines Tablettenröhrchen und macht sich am oberen Stand eine Markierung. Nun kann man zukünftig diese Marke als Wertmesser nehmen. Das grobe Pulver wird gleichmäßig über das Becken verteilt. Man stellt darauf schon bald eine auffällige Beruhigung der schnellen Atmung fest. Die vorher dunkler gefärbten Fische werden jetzt heller. In meinen Becken konnte ich keine negativen Nebenwirkungen bei anderen Fischen feststellen (es heißt, das Medikament soll nicht allen Fischen gleich gut bekommen). Natürlich darf auch während dieser Behandlung nicht über Aktivkohle gefiltert werden. Ein Vorteil dieser Kur: „Masoten“ schadet den Pflanzen nicht! Nach einer Kur von vier Tagen werden die Rückstände der Chemikalie durch den Einsatz von Aktivkohle wieder ausgefiltert. Die oben beschriebenen verschiedenen Kiemenwurmarten vermehren sich auch unterschiedlich: Einige legen Eier und andere sind lebendgebärend. Während man die Lebendgebärenden mit dem Medikament restlos abtötet, geschieht das bei den eierlegenden Arten nur bei Ausgeschlüpften. Die Eier werden nicht getötet. Da sie sich bei den normalen Haltetemperaturen innerhalb von etwa einer Woche weiterentwickeln, soll die Masoten-Kur nach zehn Tagen wiederholt werden.

Die Lochkrankheit ist den Pflegern von Diskus-Fischen seit langem bekannt, nur weiß man bis heute nicht genau, wodurch sie entsteht. Die meisten Untersuchungen haben gezeigt, daß das Geißeltierchen Spironucleus sich oft in den Lochwunden dieser Krankheit befindet. Das muß aber nicht heißen, daß diese Flagellaten auch die Ursache dafür sind. Dr. Schubert empfiehlt bei der Lochkrankheit eine Behandlung mit Rivanol. Dabei wird eine 100-mg-Tablette in 100 ml kochendem Wasser gelöst. Ist diese Lösung erkaltet, fängt man den Fisch aus dem Becken und betupft mit einem Wattebausch die Wunden mit der Lösung. Sicherlich schafft diese Behandlung keine Heilung auf Dauer, doch wer seine Fische leiden sieht, möchte ihnen helfen. Nicht selten wird diese Hilfe teuer, denn die Medikamente, die man sich ja nicht vom Arzt verschreiben lassen kann, kosten manchmal einen Zwanzigmarkschein.

Tuberkulose ist nach den augenblicklichen Kenntnissen noch nicht heilbar. Sie ist bakteriell bedingt und nur durch beste Halterungsbedingungen vorbeugend zu bekämpfen. Zu hohe Wassertemperaturen begünstigen die Krankheit. Sind die Tiere kräftig genug, werden sie mit der Krankheit fertig, ohne daß es der Pfleger bemerkt.

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1 Antwort

  1. Christian-Wilhelm Büsch sagt:

    Moin.
    sorry, aber die Beiträge zum Thema Diskus sind offenbar aus den 70er und 80er Jahren. Der Beitrag zum Thema Krankheiten ist nicht zeitgemäß, und sollte imho gelöscht, oder doch zumindest mit einem entsprechenden Hinweis versehen werden,
    Gruß
    Chris

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