Echinodorus horizontalis

Zunehmend setzt sich auch bei uns die Tendenz durch, die Aquarien nicht schlechthin mit Sand, Pflanzen und ein paar Steinen oder Wurzeln einzurichten, Wasser aufzufüllen und möglichst viele und möglichst bunte (oder möglichst teure) Fische einzusetzen. Vielmehr sieht man jetzt fast überall das Bestreben, die gewachsenen aquaristischen Kenntnisse in den Dienst eines dekorativen, ästhetisch schönen Aquariums zu stellen, das mit einer gut komponierten Bepflanzung ausgestattet ist und nicht mehr ein buntes Durcheinander der verschiedensten Fischarten aufweist, sondern wenige Arten in kleinen Schwärmen enthält, wodurch sich die so oft beschriebene beruhigende Wirkung des Aquariums eigentlich erst einstellt.Einfluß auf die Aquarianer ausübt und auf keiner ihrer Tagungen versäumt und in vielen Publikationen bemüht ist, den Wettbewerb um schönere Aquarien anzukurbeln und durch viele Anregungen zu beleben.

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Nun ist all das Bemühen zum Scheitern verurteilt, wenn zur Dekoration nicht auch eine Vielzahl von Pflanzenarten zur Verfügung steht.

Natürlich gibt es noch immer Seltenheiten, denn wir sind in der relativkurzen Zeit noch nicht hinter alle Ursachen gekommen, die einer schnelleren Vermehrung und Verbreitung im Wege stehen. Eine dieser noch seltenen Arten, die gerade für Mittelpunkt- und Mittelgrundbepflanzung (je nach Aquariengröße) geeignet ist, recht kurz: Echinodorus horizontalis.

Wir haben Versuche an untauglichen Objekten hinter uns, haben uns vergeblich bemüht, E. cor- difolius (früher E. radicans) unter Wasser zu halten, haben das gleiche mit E. berteroi (früher
E. rostratus) erlebt — immer ging es um das breite, herzförmige, dekorative Unterwasserblatt, das bei den beiden genannten Arten nur zeitweise gebildet wird. Bald darauf folgten Schwimm- und Uberwasserblätter. Damit war dann die Pracht der Unterwasserblätter vorbei, und geblieben war nur die Enttäuschung des Aquarianers, der irgendwo las oder hörte, daß es durchaus ginge, wenn . . . dann folgten Ratschläge, deren gute Absicht hier nicht bezweifelt werden soll. Jetzt endlich haben wir mit E. horizontalis eine ideale Pflanze für diese Zwecke. Wozu also die anderen Arten mit Gewalt aus ihrem Rhythmus der Blattbildung bringen? Alle Eigenschaften, die wir bei E. cordifolius und E. berteroi suchten und nur zeitweise fanden, bietet E. horizontalis immer: Er bleibt „brav“ und ohne „Ausreißversuche“ stets unter Wasser, die Blätter sind kräftig dunkelgrün und von fester Beschaffenheit, und er wächst nach meinen Erfahrungen unter allen möglichen Bedingungen gut. Einen ausgesprochenen Härtetest, eine sich über sechs Wochen hinziehende Malachitgrün-Trypaflavin-Behandlung wegen eines hartnäckigen „Import“-Ichthyophthirius, vertrugen meine Mutter- und Jungpflanzen gut. Lediglich die ältesten, d. h. die drei äußeren Blätter starben ab, es wurden auch in diesen 6 Wochen nur drei neue gebildet, sonst etwa jede Woche ein Blatt, und die Blütenstände blieben stecken. Als sicher schien, daß keine Ichthyophthirius-Schwärmer mehr unterwegs waren und wieder frisches, ungefärbtes Wasser aufgefüllt werden konnte, begannen alle Pflanzen sofort wieder, neue Blätter zu treiben, und nach einer Woche regte sich neues Leben auch in den schon lange sichtbaren, aber stehengebliebenen Blütenständen. Mir sind Hälterungsbedingungen zwischen 5° bis 20 °dGH, 16° bis 32 °C, pH 5,5 bis 7,5 unter Tageslicht-, Warmton- und Glühlampenlicht bekannt, wobei durch starken Oberflächenbewuchs das Licht in einigen Becken stark gedämpft wurde. E. horizontalis wächst dann langsamer, aber ich kenne innerhalb der angegebenen Grenzen keine Situation, die er nicht verträgt. Den Bodengrund wähle man lieber größer als zu fein — die Wurzeln benötigen eher warmes, Sauerstoff reich es Wasser als Lehmzugaben — wie bei den meisten Wasserpflanzen.

Hat eine Pflanze mindestens sechs große Blätter von etwa 10 cm Länge, so zeigt sich der erste Blütenstand, der zunächst stark komprimiert ist und sich erst streckt, wenn die Oberfläche erreicht oder durchstoßen wurde. Meine Pflanzen bilden meist dreiwirtelige Blütenstände. Im Aquarium sind auch schon Blüten mit späterem Samenansatz vorgekommen — das ist aber nicht die Regel. Die Gewinnung von Adventivpflanzen mag nicht die Methode ein, die die „höchsten Erträge“ sichert, aber es ist die unkomplizierteste und die sicherste. An jedem der drei Wirtel bilden sich mindestens eine, höchstens zwei Adventivpflanzen, von denen die äußerste sich am schnellsten entwickelt. Sobald sie mindestens zwei lange Wurzeln besaß (inzwischen sind drei bis vier Blätter gewachsen), habe ich früher die Blütenstandachse durchschnitten und die junge Pflanze am Boden festgeheftet. Danach begann die ehemals mittlere, nun äußerste Jungpflanze stärker zu treiben, bis ich auch sie abschnitt. Heute wende ich eine andere Methode an: Die dem inneren Wirtel entspringende Jungpflanze treibt erst nach Wochen, kommt aber ganz bestimmt, auch, wenn inzwischen mehrere neue Blütenstände getrieben wurden. Bei einigem Geschick gelingt es, mit dem Daumennagel die Adventivpflanze von der Blütenstandachse zu lösen. Man erzielt dann aus einer solchen Narbe weitere Jungpflanzen, solange der Blütenstand grün bleibt. Erst die gelben Teile können auf gegeben und zurückgeschnitten werden. Ähnlich wie bei E. amazoriicus (früher E. brevipedicellatus) treiben die ins freie Wasser ragenden Adventivpflanzen sofort auch Wurzeln, während in Bodennähe befindliche oder am Boden befestigte, noch am Blütenstand haftende Pflanzen Blatt auf Blatt, aber keine Wurzeln bilden. Ich senke also den Blütenstand nicht bis zum Boden ab, sondern klemme ihn so unter ein Blatt (das ja am Ansatz der Blattspreite am Blattstiel, also am Blattgrund, beiderseits eine Kerbe bildet), daß er zwar das Wasser nicht verlassen kann, aber auch nicht zu Boden gedrückt wird.

Die Jungpflanzen bilden zunächst gestielte ovale Blätter, erst das vierte bis fünfte Blatt hat den charakteristischen, länglich herzförmigen Umriß. Die Bewurzelung erfolgt schnell, doch vergeht meist einige Zeit, ehe die neu ausgebrachten Pflanzen durch regelmäßige Blattbildungen anzeigen, daß sie eingewöhnt sind. Ich habe es aber noch nicht erlebt, daß ein junger E. horizontalis gelb wurde und in sich zusammenbrach, wie es doch für etwa 10 bis 15% von kleinen E. cimazonicus gilt, die ewig nicht fortkommen und eines Tages vergilbt und abgestorben entdeckt werden.
Fassen wir zusammen: E. horizontalis ist eine dekorative, für die ständige Unterwasserkultur sehr gut geeignete mittelgroße Pflanze, deren Anspruchslosigkeit und große Anpassungsbreite den Nachteil der relativ geringen Vermehrungsrate durchaus kompensieren.  Im Lauf der Zeit werden es ohnehin mehr, wenn auch manchmal ein paar Monate bis zur Bildung des ersten Blütenstandes verstreichen.

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