Fische für Kleinaquarien – Rasbora maculata

Nicht alle Aquarienfreunde haben die Möglichkeit, größere Aquarien aufzustellen, und mancher muß sich aus räumlichen Gründen mit sehr kleinen Behältern begnügen. Die Auswahl der Fischarten, die sich in solchen Kleinstaquarien mit einem Inhalt von 8 bis 15 Litern halten lassen, ist sehr begrenzt. Besonders wenn man unter Haltung etwas mehr versteht, als lediglich seinen Pfleglingen ein Existenzminimum zu bieten. Aber es gibt unter den tropischen Süßwasserfischen Arten, die nicht größer werden als 2 bis 4 cm, und diese kann man in derartig kleinen Aquarien nicht nur halten, sondern sie lassen sich darin auch zur Vermehrung bringen.

Unter den lebendgebärenden Zahnkarpfen haben wir in Heterandria formosa einen wirklichen Fischzwerg vor uns, dessen Männchen 2 cm lang wird, während die Weibchen etwas größer werden. Selbst für den Anfänger bereitet die Haltung und Zucht keinerlei Schwierigkeiten. Die Jungfische werden im Laufe einer Wurf periode entweder einzeln oder zu zweien mit jeweils etwa einem Tag Zwischenraum geboren und bleiben von den Eltern unbehellt abernicht nur bei der Geburt der Jungfische, die ja bei den anderen im Aquarium gehaltenen lebendgebärenden Zahnkarpfen wurfweise erfolgt, sondern auch in der Embryonalentwicklung weicht Heterandria formosa von ihren Verwandten ab.

Eine ähnliche Embryonalentwicklung ist zwar auch von anderen lebendgebärenden Fischen wie z. B. Rasbora mac.Anableps anableps bekannt, doch werden diese kaum als Aquarienfische gehalten. Normalerweise werden bei den lebendgebärenden Zahnkarpfen die Eier nach erfolgter Befruchtung in die Eierstockhöhle ausgestoßen und verbleiben dort während ihrer weiteren Entwicklung. Eine Versorgung des Embryos über den Körper des Weibchens erfolgt nicht, um die Eier bildet sich eine chitinartige Hülle, und die Entwicklung der Embryonen wird durch einen großen Dottersack sichergestellt. Bei Heterandria formosa verläuft dieser Vorgang anders, und man kann ruhig behaupten, daß die Embryonalentwicklung bei diesem Fischzwerg auf einer höheren Entwicklungsstufe als die der anderen im Aquarium gehaltenen lebendgebärenden Zahnkarpfen steht. Die Eier verbleiben nach erfolgter Befruchtung im Follikel, und in jeder Follikelblase liegt in der Regel ein Ei (mitunter aber auch zwei). Die Embryonen haben einen relativ kleinen Dottersack und werden teilweise über die sie umgebende Follikelflüssigkeit versorgt. Dank der für diese Fischgruppe typischen Vorratsbefruchtung ist dafür gesorgt, daß die Eier in der Reihenfolge, wie sie zur Reife gelangen, auch befruchtet werden. Daher befinden sich die Embryonen in den verschiedenen Follikeln auch in unterschiedlichen Entwicklungsgraden.

Der Zeitabstand von Follikel zu Follikel beträgt 1-2 Tage, und in diesen Abständen kommen die Jungfische zur Welt. Besondere Forderungen an die Pflege stellt dieser Fischzwerg nicht, vegetabilische Futterstoffe sollten jedoch in seine Nahrung eingehen. In bezug auf die Temperatur sind sie anspruchslos und auch ziemlich schroffe Temperaturunterschiede, wie sie ja besonders in auf Fensterbänken aufgestellten Kleinstaquarien leicht Vorkommen, vertragen sie, ohne Schaden zu nehmen. An die Wasserverhältnisse stellen sie keine Ansprüche.

Andere Fischzwerge

Zwei andere Fischzwerge, die sich gut für Kleinstaquarien eignen, finden wir in der Gattung Rasbora. Die Arten Rasbora maculata und Rasbora urophthalma kann man sogar in lediglich 5 Liter fassenden

Rasbora m.1

Yollgläsern vermehren. In etwas größeren Behältern kann man sie in einem kleinen Schwarm Zusammenhalten und auch miteinander vergesellschaften. Wird auf die Einrichtung des Hälterungsaquariums die notwendige Sorgfalt verwandt, und hat man außerdem etwas Glück, so pflanzen sich die Fische sogar in einem solchen „Daueransatz“ fort. Zwar sind diese Fischchen etwas anspruchsvoller als Heterandria formosa, aber auch wieder nicht so empfindlich, wie bisweilen behauptet wird. Bei ihrer Haltung und Zucht ist doch weiches Wasser, möglichst mit einer Härte unter 5° Voraussetzung. Da aber nur geringe Wassermengen benötigt werden, macht dessen Beschaffung auch in Gebieten mit härterem Wasser kaum Schwierigkeiten. Regenwasser, das in sauberen Gefäßen aufgefangen und einige Tage über Aktivkohle gefiltert wird, ist durchaus geeignet. Bei der Haltung im Schwarm sollte das Aquarium zumindest 15 Liter fassen. Uber die Sandschicht kommt eine dünne Lage gewässeter Torf.

Einrichtung und Gestaltung

Mit Hilfe von kleinen Wurzeln, die längere Zeit im Wasser gelegen haben (Erlenwurzeln eignen sich besonders gut) und einer Bepflanzung aus Sumatrafarn, Limnophila und anderen feinfiedrigen Pflanzen kann man ein derartiges Aquarium sehr reizvoll einrichten. Gefüttert werden die Fischchen mit kleinsten lebenden Futtertieren, wie Cyklops, Grindalwürmchen, kleinen Daphnien usw. Ab und zu kann man auch etwas Trockenfutter reichen, welches sie gerne nehmen. Die Hälterungstemperatur sollte um 25 °C liegen, doch sonderlich empfindlich gegen Temperaturschwankungen sind die Fischchen nicht. Will man aber versuchen, sie im Hälterungsaquarium zu vermehren, was durchaus möglich ist, sollte die Temperatur möglichst gleichbleibend sein und 1 bis 2 °C höher liegen. Damit die Jungfische während der ersten Lebenstage Schutz vor den Nachstellungen der Eltemfische finden, wird die Oberfläche mit einer Riccamschicht versehen. Wichtigste Voraussetzung für das Gelingen einer Zucht im Daueransatz ist jedoch, daß Schnek ken, Planarien und Fadenwürmer peinlichst ferngehalten werden.

Die Pflanzen desinfiziert man am besten in einem Alaunbad. (Einen gehäuften Teelöffel Alaun in einem Liter Wasser auflösen, Pflanzen fünf Minuten liegen lassen und anschließend gründlich unter fließendem Wasser abspülen.) Sagen die Verhältnisse im Aquarium den Fischen zu, so beginnen sie bald zu laichen. Zwar sind beide Arten Laichräuber, aber ein Teil der Eier sinkt zu Boden, verschwindet im Torf und ist vor dem Zugriff der Elterntiere sicher. Natürlich wird noch mancher bereits geschlüpfte Jungfisch gefressen, bevor er frei zu schwimmen beginnt, aber einige kommen auch über dieses kritische Stadium und finden in der dichten Oberflächenvegetation Schutz. Sind sie erst einige Tage alt, so kümmern sich die Elterntiere überhaupt nicht mehr um sie. Die Resultate einer Zucht im Daueransatz sind zwar in der Zahl bescheiden, aber es werden in der Regel kräftige Jungfische erzielt. Man geht kaum fehl in der Ansicht, daß es die gesündesten und meist widerstandsfähigsten Jungfische sind, die überleben.

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Am Rande sei hier vermerkt, daß man auch die etwas größer werdende Rasbora hengeli, die der Keilfleckbarbe nahe verwandt ist, mit gutem Erfolg im Daueransatz vermehren kann. Einzeln zur Zucht angesetzte Paare dieser Art sind oft nicht zum Ablaichen zu bewegen, laichen dagegen im Schwarm willig.

Fütterung

Die Fütterung von Fischen im Daueransatz erfordert einiges Fingerspitzengefühl und kann nur durch Übung erlernt werden. Die ausgewachsenen Fische sollen ja geeignetes Futter erhalten, und die an und für sich gut geeigneten Cyklops müssen von der Futterliste gestrichen werden, da diese Krebschen die kleinen Jungfische angreifen. Am besten füttert man neben kleinen Daphnien mit Grindalwürmchen und kleine Mengen eines guten Trockenfutters. Auch Artemia-Nauplien und Mikro werden von den schon etwas größeren Jungfischen gefressen. Außerdem werden für die kleinsten Jungfische regelmäßig gereinigte Pantoffeltierchen gereicht. Wie die Reinigung dieses wertvollen Jungbrutfutters am leichtesten geschieht, wird noch beschrieben. Fütterung von Fischen im Daueransatz ist immer ein Balanceakt: Auf der einen Seite darf man nicht zu wenig füttern, auf der anderen Seite fördern allzu reichliche Futtergaben die Bildung von Bakterien und Infusorien, was das Schlupfresultat verschlechtert und von den Jungfischen schlecht vertragen wird. Kleine Mengen Pantoffeltierchen reinigt man am einfachsten in einem IV2—2V2 cm weiten Glasrohr, das an einem Ende mit einem Korken verschlossen wird und nicht kürzer als einen halben Meter, besser aber länger sein sollte.

Das Rohr wird zu etwa zwei Drittel mit dem Kulturwasser aus einer Pantoffeltierchen-Kultur gefüllt. Auf das Kulturwasser kommt ein etwa 2 cm langer Wattebausch, und zwar so, daß keine Luft zwischen Kulturwasser und Watte bleibt. Sodann wird das Rohr über dem Wattebausch mit abgestandenem Frischwasser aufgefüllt und bleibt aufrecht gestellt 1-2 Stunden stehen. Im Kulturwasser sinkt nun der an und für sich schon geringe Sauerstoffgehalt noch weiter ab, daß schließlich selbst die sehr wenig sauerstoffbedürftigen Pantoffeltierchen es nicht mehr darin aushalten und durch die Watte in das Frischwasser entweichen. Dort kann man sie mit einer Pipette rein entnehmen und an die Jungbrut verfüttern.
Es dürfte allgemein bekannt sein, daß Frischwasser bei den meisten Fischarten stimulierend auf die Fortpflanzung einwirkt. Deshalb erneuert man auch im Daueransatz etwa alle 14 Tage einen Teil des Wassers. Zu diesem Zweck wird vorsichtig etwa ein Viertel des Wassers dicht über dem Boden abgesaugt und durch Frischwasser ersetzt. Es soll dieselbe chemische Beschaffenheit aufweisen und muß selbstverständlich temperiert sein.

Abschließend sei noch erwähnt, daß es meist keinen Zweck hat, allzu viele Zuchttiere in einem Daueransatz anzusetzen. Bei einer größeren Anzahl von Fischen kommt es während des Laichgeschäftes auf diesem begrenzten Raum doch oft zu Störungen, und es werden unverhältnismäßig viele Eier gefressen. Am besten sind in der Regel drei oder vier Paare.
Für eine rationelle Vermehrung dieser Fische kommt der Daueransatz natürlich nicht in Frage. Möchte man eine größere Anzahl Jungfische erhalten, so setzt man jeweils ein einzelnes Paar in kleinen Vollglasaquarien an. Auf den Boden kommt, um Laichräubereien vorzubeugen, ein Laichrost, der entweder aus Glasstäben oder aus rostfreiem Stahldrahtgewebe bestehen kann. Die Maschenweite bei Stalil drahtgewebe sollte 3 mm betragen. Zwar reichen meist Gewebe mit 4 mm Maschen weite noch aus, doch kommt es dann bisweilen vor, daß sehr kleine Männchen durch die Maschen schlüpfen und unter den Rost geraten. Als Ablaichpflanze ist Sumatrafarn gut geeignet. Ein einzelner Busch, mit einem Glasstab beschwert, reicht aus. Da diese Fische erfahrungsgemäß in einem leicht sauren Wasser (pH etwa 6) am sichersten zur Fortpflanzung schreiten, filtriert man das Wasser am besten einige Tage vor dem Ansatz über einen geeigneten Torf. Die Zuchttemperatur soll 26 und 28 °C betragen. Die Fische laichen zwar auch bei etwas niedrigeren Temperaturen, aber das Schlupfergebnis ist
dann meist schlechter. Beobachtet man, daß im Hälteraquarium ein bestimmtes Männchen ein Weibchen umwirbt, sollte man versuchen, dieses Paar herauszufangen. Das erfordert zwar einige Geduld, aber es lohnt sich. Durchaus nicht alle willkürlich zusammengesetzten Paare laichen nämlich miteinander.

Paarung

Bei der Paarung umschlingt das Männchen mit seinem Hinterkörper das Weibchen von oben, indem es ihn bogenförmig um das Weibchen legt. Zwei oder drei Laichkörner werden bei jeder Paarung abgegeben. Das Laichgeschäft vollzieht sich meist zwischen den Pflanzen, bisweilen aber auch frei im Wasser. Die Eier sind, wenigstens soweit ich bisher beobachten konnte, glasklar durchsichtig. Möglich ist es aber, daß auch bei diesen Fischen die Färbung der Eier von verabreichten Futterstoffen abhängig ist und unter anderen Bedingungen leicht farbgetönte Eier Vorkommen können. Ist das Laichgeschäft abgeschlossen, so wird zunächst das Zuchtpaar, dann der Laichrost entfernt. Bei der genannten Temperatur schlüpfen die glasklaren Jungfische nach 20-24 Stunden. Sie nehmen kurz darauf bei Rasbora rnaculata eine leicht rötliche, bei Rasbora urophthalma eine leicht bläuliche Färbung an. Am sechsten Tag nach dem Ablaichen schwimmen sie frei und sind dann 2—4 mm lang. Trotz ihrer Winzigkeit machte ihre Aufzucht mit Pantoffeltierchen und etwas später mit Salinenkrebs-Nauplien keine großen Schwierigkeiten. Sonderlich produktiv sind sie nicht, 30-40 Jungfische aus einer Laichabgabe sind schon ein gutes Resultat. Da diese Fische aber einen sehr schnellen Laichzyklus haben, gleicht sich das aus, ist doch das Zuchtpaar 8—10 Tage nach erfolgter Laichabgabe zu erneutem Ablaichen bereit. Ja, es kommt sogar vor, daß sie schon nach 5—6 Tagen erneut laichen. Auf die Dauer sind allzu dichte Ansätze desselben Paares aber nicht anzuraten, da erfahrungsgemäß das Befruchtungsresultat schnell absinkt. Bei den Jungfischen vollzieht sich im Laufe ihrer vierten Lebenswoche die Umfärbung. Die Jungfische sind dann knapp 1 cm lang. Zuchtaquarien, ja überhaupt Aquarien, die diese Fische beherbergen sollen, sind bei gedämpftem Licht aufzustellen. Bei zu kräftiger Beleuchtung zeigen die Fische Unbehagen und schreiten kaum zur Fortpflanzung.

Diese Zeilen sollen vor allem als Anregung für die Aquarienfreunde gewertet werden, denen nur wenig Platz zur Verfügung steht, die sich aber doch einmal mit der Zucht beschäftigen möchten. Die „Zwergfische“ sind aber durchaus nicht nur eine „Notlösung bei Platzmangel“, auch viele andere Aquarienfreunde können diesen Kobolden viele interessante Seiten abgewinnen. Ist es doch leider so, daß diese Zwerge, sehr zu Unrecht, oft unbeachtet bleiben.

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