Gyrinocheilus aymonieri (Siamesische Saugschmerle)

Nur drei Arten umfaßt die Gattung Gyrinocheilus, deren Vertreter bei uns unter dem Namen „Saugschmerlen“ bekannt sind. Diese biologisch hochinteressanten, auf Grund ihrer Lebensweise als Algenfresser in allen Süßwasseraquarien außerordentlich nützlichen Fische weichen in verschiedenen anatomischen Merkmalen so weit von ihren Verwandten ab, daß für sie im System eine eigene Familie, Gyrinocheilidae, geschaffen wurde, die man mit vielen anderen zur großen Gruppe der Cyprinoiden zusammenfaßt. Bis in die 1960er Jahre war nur wenig über das Leben der Saugschmerlen bekannt, und die Angaben in der Literatur sind auch dementsprechend spärlich. Als Zentrum ihrer Verbreitung wird Thailand angegeben, wo sie in fließenden oder stehenden Gewässern mit reichlichem Pflanzenwuchs Vorkommen und sich hauptsächlich von Algen ernähren sollen. Dabei wird immer wieder hervorgehoben, daß die Saugschmerlen als anspruchslose, ja sogar ausgesprochen harte Fische die unterschiedlichsten Gewässertypen bewohnen und deshalb auch im Aquarium keine großen Anforderungen stellen dürften.


Erst im Jahre 1955, als die bekannteste Art der Gattung, Gyrinocheilus aymonieri Tirant 1883, die Siamesische Saugschmerle, zum ersten Mal in größerer Anzahl lebend nach Europa gelangte, ergaben sich Möglichkeiten, die Lebensweise der interessanten Tiere eingehender zu untersuchen. So können wir uns heute — obwohl bisher nur vereinzelte Zuchterfolge bekannt wurden — schon ein recht umfassendes Bild von ihnen machen. Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß G. aymonieri in der letzten Zeit wiederholt importiert und damit auch unseren Aquarienfreunden zugänglich gemacht wurde.
Hinsichtlich Form und Farbe bietet die in ihrer Heimat mehr als 20 cm Länge erreichende, in der Gefangenschaft 10 cm aber selten überschreitende siamesische Art kaum etwas Besonderes, . sie ähnelt im Habitus etwas unserer einheimischen Schmerle. Ihr Farbspektrum erschöpft sich in einer Kombination von Weiß, Schwarz und einem bräunlichen Gelb. Dabei ist beim Jungtier die ganze Bauchpartie bis etwa zur Seitenlinie rein weiß, während die Dorsalregion eine bräunlich-gelbe Färbung zeigt. Dazwischen, die Seitenlinie breit überdeckend, zieht sich ein schwarzes Band von der Kopfspitze bis zur Schwanzwurzel, das — der jeweiligen psychischen Situation
des Tieres entsprechend — mehr als breiter, un-
gegliederter Streifen oder aber als zusammenhängendes Rautenmuster erscheinen kann. Nach oben wird diese Struktur durch einen undeutlichen verläuft.

Alle Flossen, besonders aber die an Brust und Bauch, sind sehr gut entwickelt und dienen dem Tier als Stütze, wenn es auf Pflanzen oder Steinen ruht. Sie sind beim Jungtier durchscheinend gelblich gefärbt und nur die Schwanzflosse weist eine feine braune Tüpfelung an ihrer Basis auf. Eine Reihe ähnlicher kleiner Flecken erstreckt sich auf dem Rückenfirst zwichen dem Vorderansatz der Rückenflosse und der Schwanzwurzel.

Ältere geschlechtsreife Tiere fallen durch eine feine schwarze Punktierung des ganzen Körpers auf. Besonders deutlich markiert ist die Kopfoberseite; ein manchmal vorkommender schwarzer Fleck auf dem oberen Schwanzflossenlappen scheint dagegen nur für bestimmte Unterarten charakteristisch zu sein. In Anpassung an eine hochspezialisierte Lebensweise wurde das Maul der Saugschmerle so umgestaltet, daß ein unterständiger, nach einem komplizierten System arbeitender Saugnapf entstanden ist, mit dessen Hilfe der Fisch von den verschiedensten Gegenständen mikroskopisch kleine Algen abraspeln und sich in schnell fließenden Gewässern notfalls auch längere Zeit festheften kann. Solche Einrichtungen sind auch bei anderen Fischen der unterschiedlichsten systematischen Gruppen bekannt, aber wohl in keinem Falle wurde eine so glückliche Lösung des Problems „Festheften“ einerseits und „Atmen müssen“ andererseits gefunden wie im Falle der Saugschmerle. So ist z. B. das Festsaugen der bekannten Otocinclus- und Plecostomus-Arten relativ unvollkommener, da dort der Weg des Atemwassers immer noch durch die Mundhöhle führt, was dadurch erreicht wird, daß zwischen den Rändern der Saugnäpfe und der Unterlage noch feine Rinnen vorhanden sind, durch die das zur Atmung erforderliche Wasser oral in die Kiemenhöhle gelangt (Frey 1959). Ganz andere Verhältnisse finden wir dagegen bei den Saugschmerlen der Gattung Gyri- nocheilus. Sie sind durch einen „Kurzschluß“ in der Lage, ohne direkte Mitwirkung des Maules den notwendigen Wasserstrom zu erzeugen, denn hier zeigt der obere Winkel der Kiemenspalte eine ovale Erweiterung, an die sich nach innen ein kurzes, trichterförmiges Gebilde anschließt. Bei jeder Bewegung der Kiemenmuskulatur wird so das Wasser von oben durch diese gesonderte Einströmöffnung eingesaugt, passiert die Kiemenblättchen und tritt auf dem allgemein üblichen Weg wieder aus.

Der runde Saugnapf wird durch zwei jeweils halbkreisförmig verlaufende, weiche, mit vielen konzentrischen Rillen versehene Lippen gebildet, die durch ihre große Elastizität das Anheften auf jeder Unterlage gestatten, soweit diese nicht aus zu kleinen Fragmenten besteht. Beimauch schon Exemplare gehabt, die erst nach der fünften Eiablage endgültig ausfärbten. Wie wohl alle Fische können auch die Symphysodon-Arten nach den ersten Eiablagen noch erheblich an Größe und Gewicht zunehmen. Meine größten Tiere erreichten eine Länge von 18 cm. Mit dem Altern läßt die Farbenpracht merklich nach. In unseren ZAG „Cichliden“ haben sich die Züchter der Gattung Symphysodon zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Der Erfahrungsaustausch, der sowohl brieflich, als auch durch Diskussionen auf unseren Tagungen erfolgt, wird uns ohne Zweifel weitere Fortschritte bringen

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