Haltung und Pflege von Tapirfischen (Gnathonemus petersii)

Mormyriden – auch Nilhechte genannt – sind friedliche, dunkelheitsaktive, zumeist kleinere Süßwasserfische aus ruhigen Zonen afrikanischer Flüsse. Es handelt sich nicht um Raubfische, sondern um harmlose Würmerfresser, die mit Hilfe eines Röhrenmaules auf dem Gewässerboden allerlei kleine Würmer aufstöbern und schließlich verzehren. Viele Arten besitzen vor der Schwanzwurzel ein elektrisches Organ, das es ihnen erlaubt, um den Fischkörper herum ein elektrisches Feld aufzubauen. Diese Einrichtung ist gleichsam Revieranzeiger und Futterlieferant, Gleichgewichts- und Orientierungsorgan in der Nacht. Wenn sich ein Gegner in die Nähe eines Mormyriden begibt, bemerkt ihn der Bedrohte durch das elektrische Feld sehr schnell, ebenso verhält es sich beim Wahrnehmen von Futterteilen, etwa Würmern. Schließlich verhindert das elektrische Feld ein Anstoßen des Fischkörpers an Hindernisse beim Schwimmen in der Nacht, was bei diesen dunkelheitsaktiven Tieren keine Seltenheit ist, es genehmigt sogar, die richtige Schwimmrichtung in Strömungen einzunehmen.

All dies erfuhr ich aus der Literatur, von Fachsimpeleien mit Spezialisten und später durch Filmaufnahmen. Lange hatte ich mir gewünscht, diese interessanten Fische pflegen zu können. Eines Tages war es soweit: Ich kaufte in einer Zoohandlung zwei Exemplare des Tapirfisches, Gnathonemus petersii. Ein Tier verendete leider während des Transportes, das andere setzten wir in ein Schaubek- ken für afrikanische und asiatische Fischarten, die zumeist däm- merungs- beziehungsweise nachtaktiv sind. Dieses bevölkerten neben dem Tapirfisch Kongowelse, Synodontis nigriventris, Gefleckte Stachelaale, Macrognathus aculeatus, Kongosalmler, Micralestes interruptus, und Schmerlenarten der Gattung Botia. Seit dem Einsetzen in dieses Becken hielt sich der Mormyride an einem dunklen Ort unter einem flachen Stein auf, den er tagsüber fast nie verließ.

Wir beobachteten den Tapirfisch am Abend bei der Nahrungsaufnahme; er wurde gefüttert mit Enchyträen und Tubifex. Der Fisch stocherte mit dem beweglichen „Rüssel“, dem er seinen Namen verdankt, in dem weichen Bodengrund und verzehrte die gereichte Nahrung einzeln, das heißt Würmchen für Würmchen, recht langsam durch das enge Maul.

Als schnellere Nahrungskonkurrenten stellten sich rasch Kongowelse und Stachelaale ein, die wie unser Tapirfisch von der Tagfütterung nur wenig abbekommen hatten. Beim Fressen bewegte sich der Mormyride recht eigenartig: er wedelte den Schwanz ständig rhythmisch hin und her, so daß der Körper in langsamen Ruderschlägen pendelte. Dabei verharrte der Fisch auf der Stelle und schwamm nicht davon. Dieses Verhalten bewirkte vermutlich ein Absuchen des körperradiusgroßen Bodenteils nach Nahrung, denn der Rüssel bewegte sich während beschriebener Verhaltensweisen ständig auf dem Substrat.

Die kleinen Augen haben sicherlich bei der Nahrungsaufnahme keinerlei Funktion. Nachts, bei völliger Dunkelheit, schwimmt der Tapirfisch recht lebhaft in seinem Aquarium umher; dieses konnten wir mit Hilfe einer schwachen Taschenlampe, die kurzzeitig erleuchtet wurde, beobachten. Wurde der Tapirfisch tagsüber in seinem Verstech gestört, so rührte er sich kaum von der Stelle; man konnte ihn sogar mit der Hand berühren, ohne eine Fluchtreaktion bei ihm auszulösen. Abschließend sollen noch die Haltungsbedingungen genannt werden; pH-Wert 7,5-8,0, Temperatur 20 bis 25 °C. weicher Bodengrund, leichte Durchlüftung, stellenweise dichte Bepflanzung, dunkle Orte durch flach aufgelegte Steine.

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1 Antwort

  1. Verena sagt:

    Ein in der Tat sehr schöner Fisch, den ich schon etliche Jahre pflege.
    Ich finde es wichtig zu erwähnen, daß er eigentlich ein Gruppenfisch ist, 8 Tiere aufwärts sind optimal und er sehr große Becken benötigt, damit er sich auch ausreichend bewegen kann und auswächst.
    200 cm Kantenlänge wäre das Miminum, besser wäre mehr.
    Nur in zu kleinen / falsch eingerichteten Becken neigen die Tiere aufgrund des Stresses zu Agressionen, wie man es oft liest.
    Passen die Bedingungen, so ist die Gruppe permanent zusammen, nur selten schlafen die Tiere weit voneinander entfernt.
    Ich habe meine noch nie im Sand stochern sehen, lediglich von oben wurde die Nahrung aufgenommen, sich sogar seitlich gelegt, sie sind schnelle gierige Fresser bei mir.
    Am liebsten suchen sie Pflanzen und Wasseroberfläche ( im Dämmerlich/dunkeln) ab, indem sie sie von unten „abrüsseln“.

    Sehr interessante, tolle Fische, deren Anschaffung man sich aber gut überlegen sollte. 🙂

    Liebe Grüße, Verena

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