Ludwigien: Vermehrung und Pflege

In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Arten von Wasserpflanzen nach Europa gebracht. Nicht immer fanden sie die unter den Aquarianern so rasche Verbreitung wie Zierfischneu- heiten. Aquarienpflanzen, besonders anspruchslose und rasch wachsende Arten, sind ständig gefragt, und es ist erstaunlich und betrüblich, daß trotzdem manche von ihnen in Vergessenheit geraten sind.

Zu den dankbarsten davon gehören die Ludwigien, Kräuter feuchter Wiesen und seichter Gewässer der tropischen und subtropischen Gebiete, wo sie unter ähnlichen Bedingungen gedeihen wie unsere europäische Myosotis palustris oder Lysi- machia nummularia. Außer ihrer vortrefflichen Eignung für das Aquarium sind sie durch ihre Variabilität und Anpassungsfähigkeit interessant. Außerhalb des Wassers wachsende Exemplare bilden reich verzweigte, rankende Stiele mit zahlreichen kleinen Blüten, ihre Blätter sind ziemlich zäh und sattgrün mit deutlicherer Nervatur und stärkeren Stielen, zum Unterschied dazu sind von den unter Wasser wachsenden Exemplaren, zarter und hellgrün. Auffallend abweichend ist auch die Blattform. Auf die Verschiedenartigkeit der Pflanzen hat nicht nur der Umstand Einfluß, ob sich die Pflanze unter Wasser oder außerhalb desselben befindet, sondern auch eine Reihe anderer Faktoren, wie Wasser- und Lufttemperaturen, Luftfeuchtigkeit, Lichtempfindlichkeit, Lichtintensität, Menge der Nährstoffe im Wasser oder im Substrat, in dem die Pflanze verwurzelt ist, sowie die Höhe der Wassersäule bei submers wachsenden Pflanzen.

Die Eigenschaften der unter Wasser wachsenden Ludwigien sind vielen Aquarianern bekannt, aber nur wenige haben deren Leben unter anderen Bedingungen, nämlich ohne Wasser, d. h. im Terrarium, über den Aquariumrand hinauswachsend oder im Sommer in freier Natur am feuchten Ufer eines Sees beobachtet.
über Wasser kultivierten Pflanzen muß ausreichende Luftfeuchtigkeit geboten Averden. Trockene Luft verursacht ein Einrollen und Vertrocknen der Blätter, weshalb wir Behälter mit Überwasserpflanzen mit Glas oder einer Glasglocke bedecken. Eine Deformation der Blätter wird manchmal auch durch Blattläuse verursacht, die jedoch auf ganz einfache Art vertilgt werden können: Man taucht die befallene Pflanze ins Aquarium, wo die Läuse von den Fischen rasch verzehrt werden. Zur Förderung des Wachstums und der Gesundheit dieser Pflanzen ist es notwendig, ihnen möglichst viel Licht und womöglich auch Sonnenbestrahlung zu bieten.

Die Ludwigien setzen je eine Blüte am Blattgrund an, so daß also stets zwei Blüten einander gegenüberstehen. Die kleinen schwarzen Samen sammeln wir, nachdem sie reif geworden sind, bewahren sie in einem Säckchen auf, und säen sie im Frühjahr in eine feine Mischung Gartenerde mit Sand und Torf oder auch nur in Torf in Blumentöpfen, die wir in eine Schüssel mit Wasser stellen. Die Saat wird nicht mit Erde bedeckt, sondern nur leicht eingedrückt. Bei einer Temperatur von rund 20 °C keimen die Samen gut, und sobald die Pflanzen einige Blätter gebildet haben, pikieren wir sie in grö¬ßere Gefäße oder seichte Bassins. Haben sie eine Größe von 3—5 cm erreicht, gewöhnen wir sie durch allmähliches Nachgießen oder Untertauchen ans Wasser und pflanzen sie später direkt ins Aquarium um. Die Aussaat wird stets nur emers vorgenommen, submers keimende Jungpflanzen laufen Gefahr, von Algen umwachsen zu werden, die die kleinen Pflanzen gänzlich ersticken könnten. Außerdem wachsen über- wasser-Saatpflanzen weit besser als Unterwasser-Saatpflanzen.Außer der geschlechtlichen Vermehrung durch Samen können die Ludwigien auch ganz einfach durch Schnittlinge vermehrt werden, und zwar auf die den meisten Aquarianern bekannte Art, indem man den obersten und untersten Teil der Pflanze unmittelbar im Aquarium oder auch außerhalb des Wassers Wurzeln schlagen läßt, und sie dann unter Wasser setzt. Hinsichtich der Zusammensetzung des Wassers sind die Ludwigien nicht anspruchsvoll. Beim Züchten dieser Pflanze muß allzu hartes Wasser vermieden werden, da es ein Ansetzen von Mineralien an der Pflanze verursacht, wodurch eine übermäßige Vermehrung der Algen unterstützt wird, unter denen die Pflanzen dann ersticken und allmählich ihre Blätter verlieren. Abnormale starke Algenentwicklung wird oft auch durch ein Übermaß an organischen Stoffen im Wasser hervorgerufen. Die Ursache pflegt im allgemeinen eine Überfütterung der Fische, besonders mit künstlichen Futtermitteln zu sein. Nach einem Wasserwechsel und zeitweiliger Beschattung des Behälters oder Ansetzen von Kaulquappen verschwinden die Algen. Das Auswechseln eines Viertels der Wassermengen gereicht den Pflanzen stets zum Vorteil. In einem beheizten Aquarium kultivierte Pflanzen verlieren bei einem jähen Temperaturrückgang oder bei Lichtmangel ihre Blätter. Bei einer Verbesserung der Lebensbedingungen sprießen sie von neuem. Ein allmählicher Temperaturrückgang schadet den Ludwigien nicht. Solange das Wasser nicht zufriert, gedeihen im Aquarium oder in einem Bassin im Freien wachsende Ludwigien gut und bleiben frisch und grün. In tropischen Aquarien wachsende Exemplare werden durch die hohe Temperatur empfindlich, aber auch sie passen sich nach einiger Zeit dem Leben in kälterem Wasser an. Am besten wachsen die Ludwigien bei einer Temperatur über 20 °C, unter 15 ÖC ist ihr Wachstum bereits ziemlich beschränkt. Bei geeigneter Beleuchtung, am besten bei Tageslicht, überdauern sie in einem kühlen Aquarium auch den ganzen Winter. Noch besser überwintern sie in emerser Form. Im Glashaus des Prager Botanischen Gartens werden sie in Schlamm und Torf auf Ständern nahe des Glases gezüchtet, über den Gefäßrand hinauswachsende Pflanzenstengel werden im Sommer bis 1 m lang und winden sich wie Lianen. Die Sommertemperatur im Glashaus beträgt bis 30 °C, die Wintertemperatur 12—18 °C und sinkt manchmal bis auf 4 °C. Die hier gezüchteten Ludwigien gedeihen ausgezeichnet, sie blühen und überwintern gut, und nur die überhängenden Teile vertrocknen im Winter infolge der durch die Zentralheizung verursachte niedrige Luftfeuchtigkeit.

Die bekannteste Art ist Ludwigia natans Elliot, die im tropischen und subtropischen Amerika zu Hause ist. Nach Europa wurde sie unter der falschen Handelsbezeichnung Ludwigia mulertii eingeführt. Unter den optimalen Bedingungen tropischer Aquarien ist ihre Blattunterseite lebhaft rosa bis rot. Bei der Überwasserform ist die Blattunterseite silberglänzend mit einem Stich ins Rosa, der Stiel ist heller.

Die Blattoberseiten der hier beschriebenen Arten weisen alle fast die gleiche Farbe auf, bei den Uberwasserformen sind die Blätter sattgrün, bei den submersen Formen hellgrün. Eine neue bei uns noch nicht bestimmte Art, hat im Dezember Jiri Komärek aus Kuba mitgebracht. Diese Pflanze hat sich im Aquarium des Prager Botanischen Gartens gut akklimatisiert, und im Juli  sind bei einem Überwasserexemplar die ersten Blüten aufgegangen. Im großen und ganzen gleicht diese Art der vorangehenden, unterscheidet sich von ihr aber dadurch, daß sie heller, und die Blattunterseite bei der submersen Form weißlich, bei der emer sen Form silbrig rosa ist. Die Hauptnerven sind bräunlich.

Die kleinste Art ist die aus den Staaten der USA stammende Ludwigia arcuata Walter. Die Blattunterseite der Uberwasserform ist heller, die der Unterwasserform eher weißlich. Sie eignet sich für kleine Becken, besonders für solche, in denen Fische wie Ellasoma evergladei, Heterandria formosa oder andere kleine Lebendgebärende gehalten werden. In großen Aquarien kann durch häufiges Abzwicken und Einsetzen der Pflanzensprossen ein niedrigerer dichter Bewuchs erzielt werden. Zum Unterschied von den meisten Lud- wigien hat Ludwigia arcuata Walter auffallend große Blüten. Im Botanischen Garten hat sie jedoch, obwohl sie sehr gut gedeiht, vorläufig noch nicht geblüht. Die Blüten der übrigen Arten sind klein, cremefarben oder grünlichweiß und unterscheiden sich nur wenig voneinander.
Aus Japan wurde Ludwigia ovalis Miquel in die Tschechoslowakei eingeführt. Die Färbung der submersen Form ist die gleiche wie bei L. natans. Die Uberwasserform hat grüne Blattunterseiten, die Stiele sind rötlich. Die hier angeführten Ludwigienarten, Kräuter aus der Familie der Nachtkerzengewächse, Oenotheaceae, sind nur ein ganz geringer Teil der in der Welt vorkommenden Arten. Die Ansprüche der einzelnen Arten an ihre Umwelt sind die gleichen. Bei einer Wassertemperatur von 20—25 °C und bei genügend Licht, bei Überwasserpflanzen besonders Tageslicht, wird gewiß jede neue, ob nun aus einem tropischen oder einem kühleren Gebiet der Erde eingeführte Ludwigienart gut gedeihen und sich vermehren.
Die Erweiterung des Sortiments dieser dankbaren Pflanzen wird vom Eifer der Pflanzenzüchter und Aquarianer und vor allem jener abhängen, die die Möglichkeit haben, diese Pflanzen in der Natur einzusammeln und die eingeführten Arten mit Erfolg zu akklimatisieren und zu vermehren.
Ludwigia arcuata Ludwigia sp. Cuba

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