Trichopsis vittatus, der knurrende Gurami

TrichopsisTrichopsis vittatus ist ein Vertreter der Labyrinthfische, der nicht oft in den Becken der Liebhaber anzutreffen ist. Als Jungfische sind die Knurrenden Guramis nicht sehr ansprechend in der Färbung und daher auch nicht gerade ein Verkaufsschlager. Das hat wahrscheinlich auch dazu geführt, daß diese Art trotz mehrfacher Neuimporte immer wieder von der Bildfläche verschwand.

Als ich die Tiere zum ersten Male sah, war ich auch nicht gerade begeistert von ihnen. Da ich mich jedoch speziell mit Labyrinthfischen beschäftige, ließ ich mich nicht abschrecken. Ich wußte damals noch nicht, daß die Tiere, die ich gesehen hatte, noch Jungfische waren, da sie bereits etwa 5 cm erreicht hatten.

Die Tiere wurden in einem 150-Liter-Labyrinth- fischbecken untergebracht, das mit Synnema triflorum, Hygrophila angustifolia, Hygrophila polysperma und einigen großblättrigen Cryptoco- rynen bepflanzt war. Hier wuchsen sie bei guter Fütterung sehr schnell bis zu einer Länge von etwa 8 cm heran. Die Fische wirken gar nicht so groß, die Schwanzflosse kann allein eine Länge von etwa 3,5 cm erreichen.


Jetzt kann man auch erst die ganze Schönheit dieser Fische bei der Balz beobachten. Die vorher graugelben Tiere erhalten eine grünliche
Grundfarbe, während die großflächigen Flossen auf rötlichem Grund eine blaue Zeichnung aufweisen. Die Flossensäume sind in leuchtendem Türkis gehalten, das bei auffallendem Licht genau wie die Augen wunderbar irisiert. Oberhalb der Brustflossen befindet sich ein ebenfalls bläulicher Schulterfleck. Die geschilderte Färbung kann man jedoch nur bei den Männchen beobachten. Die Weibchen bleiben unscheinbar. Begegnen sich zwei Männchen in einem Becken, so kommt es mit Sicherheit zu einem Kampf, der in der Form ausgetragen wird, daß sich die beiden Männchen mit gespreizten Flossen umkreisen und dabei einen knarrenden Spektakel veranstalten. Jeder versucht, seine Flossen mehr als der andere zu spreizen und länger zu knarren als der andere. Bei diesen Kämpfen zeigen die Tiere alles, was sie an Schönheit zu bieten haben. Sieger der Auseinandersetzung ist derjenige, der die Flossen am längsten gespreizt hält. Wer die Flossen zuerst zusammenklappen läßt, sucht dann auch gleich das Weite und wird vom Sieger noch ein Stück gejagt. Diese kurzen „Kämpfe“ erlebt man recht oft, so daß man in bezug auf Unterhaltung schon auf seine Kosten kommt. Gefährlicher wird es jedoch für einen Eindringling in das Revier eines anderen Männchens, das die Brut in seinem Schaumnest bewacht. Da geht esnicht einfach mit einem kleinen Kräftevergleich ab, dem Eindringling fehlen, wenn er Glück hat, nur einige Flossenteile, doch hat er Pech, einige Schuppen, so daß man das rohe Fleisch sehen kann. Ich habe es auch schon erlebt, daß der Verteidiger seines Nestes den Eindringling gleich so traf, daß dieser sofort das Zeitliche segnete. Es ist daher nicht ratsam, mehrere Paare in einem zu kleinen Aquarium zu halten. Doch nun zur Zucht von Trichopsis vittatus: Ein Becken, in der vorstehend beschriebenen Weise eingerichtet (es genügt jedoch ein Becken ohne Bodengrund mit einigen Pflanzen in einem Blumentopf), ist dazu geeignet. Es sollte mindestens 30 Liter fassen. Die Temperatur stellt man auf etwa 26 °C ein. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung beginnt das Männchen, das Weibchen mit gespreizten Flossen und herrlichen Farben zu umwerben, wobei das obligatorische Knarren nicht unterbleibt. Bald danach beginnt das Männchen mit dem Schaumnestbau, wozu es sich ein größeres Blatt sucht, das an der Wasseroberfläche schwimmt. Hierunter bringt es die Schaumperlen an. Für das Schaumnest wird kein weiteres Baumaterial verwendet, wie wir es z. B. vom Colisa lalia her kennen. Das Nest hat nach seiner Fertigstellung einen Durchmesser von etwa 4 bis 5 cm und eine Höhe von etwa 2 cm.

Während der Bauzeit wünscht der Gatte die Nähe seiner vorher so heiß Umworbenen nicht. Er verjagt sie sofort, wenn sie sich dem Nest zu weit nähert. Wie von unsichtbarer Hand getrieben, nähert sich das Weibchen doch immer wieder dem Schaumnest und dringt jedes Mal etwas weiter vor. In immer kürzeren Abständen versucht es, sich dem Schaumnest zu nähern. Deutlich ist jetzt auch der Laichansatz beim Weibchen zu erkennen. Es scheint so, als könne es das Weibchen kaum erwarten, sich mit dem Partner zu verbinden. Das Männchen wird zuletzt regelrecht vom Weibchen bedrängt, wobei es sich immer wieder ein leichtes Stupsen an der Bauchgegend gefallen lassen muß. Dann rafft sich das Männchen endlich dazu auf, den Wünchen des Weibchens nachzukommen. Es folgt nach Labyrinthfischart die Umschlingung und Laichabgabe. Das Weibchen hilft nach dem Laichakt beim Einsammeln der Eier, was vom Männchen auch geduldet wird. Bei Colisa lalia habe ich das z. B. nie beobachtet. Nach den Laichakten wird das Weibchen jedoch nicht mehr in unmittelbarer Nähe des Nestes geduldet. Des öfteren habe ich erlebt, daß das Weibchen, nachdem das Männchen entfernt wurde, die Pflege des Laiches und der geschlüpften Jungfische übernahm.

Für die Aufzucht ergeben sich zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt das Weibchen aus dem Becken, läßt das Männchen den Laich pflegen und nimmt nach dem Freischwimmen (oder besser kurz vor dem Freischwimmen) der Jungfische das Männchen ebenfalls heraus, oder man schöpft das Schaumnest ab und überführt es in ein Aufzuchtbecken. Dort sollte der Wasserstand nicht höher als 5 cm sein. Das Wasser kann zur Hälfte aus dem Zuchtbecken stammen, zur anderen Hälfte aus Frischwasser bestehen. In beiden Fällen werden wir nach einigen Tagen unter dem Schaumnest eine große Anzahl von Jungfischen hängen sehen, über deren Größe und Anzahl man erstaunt sein wird. Sie sind fast doppelt so groß wie die von Colisa lalia, ihre Zahl schwankt meist zwischen 600 und 700 Stüde. Sie lassen sich leicht mit Rädertierchen aufziehen und wachsen bei guter Fütterung sehr gut, so daß man nach sechs Tagen schon mit Cyclops- nauplien füttern kann. Bis zu einer Größe von 15 mm ist das Wachstum der Jungfische außer¬gewöhnlich gut, doch für etwa zwei Wochen scheint es dann nicht mehr so recht vorwärts zu gehen, man braucht dann nicht zu verzagen, denn nach diesen zwei Wochen wachsen sie wieder munter weiter. Nach einem Monat kann man, vorausgesetzt die Tiere werden gut und regelmäßig gefüttert, schon eine Länge von 3 cm messen.
Die Zucht von Trichopsis vittatus ist also nicht besonders problematisch.

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