Wie man weiches Wasser zusammenstellt

Über den Wert weichen Wassers im Aquarium ist schon in verschiedenen Abhandlungen in Büchern und im Internet geschrieben worden.  An dieser Stelle möchte ich nur erklären, wie man aus verschiedenen Wassertypen ein Wasser nach Wunsch zusammenstellen kann. Im Grunde kennt man drei Wasserarten, mit denen man härteres Leitungswasser aufbessern kann: Regenwasser, destilliertes Wasser und weiches Wasser aus Quellen oder anderen Gebieten. Ich möchte hier ein Beispiel aus der Diskus-Zucht geben.

Regenwasser

Da Regenwasser durch Verdunstung entsteht, ist es im allgemeinen sehr weich. Es ist fast frei von gelösten Mineralien. Da aber heute unsere Luft schon stark chemisch verschmutzt ist, kann man sich nicht mehr auf die reine Qualität solchen Wassers verlassen. Nur wenn in ländlichen Gebieten Industriebetriebe weit entfernt sind, kann man sich Chancen ausrechnen, ein einigermaßen chemisch sauberes Regenwasser aufzufangen. In diesem Fall soll man sich eines selbstgebastelten Gestells bedienen, das man mit einer sauberen Plastikplane bedeckt. Das von Dächern geflossene und aufgefangene Wasser hat, besonders nach längerer Trockenheit, ja auch wieder den Schmutz, der sich auf dem Dach in längerer Zeit angesetzt hat, gelöst und ist für unsere Diskus sicher nicht geeignet.

Destilliertes Wasser

Wer destilliertes Wasser nicht selbst herstellen kann, sollte es sich nicht bei einer Tankstelle, sondern in einer Apotheke kaufen. Bei dauerndem größeren Bedarf kann man sich natürlich auch ein Gerät kaufen, das diese Arbeit verrichtet. Daß solche Geräte ihren Preis haben, versteht sich von selbst. Sie kosten, komplett mit Leitwertmesser, ungefähr 200 Euro. Bastler sollten das Werk „Wasserkunde für die aquaristische Praxis“ von Dr. Rolf Geisler lesen.

Ungemischt ist destilliertes Wasser natürlich für die Haltung jeglicher Fischarten unbrauchbar. Es ist tot. Erst durch das Mischen mit normalem Leitungswasser kann es für die Haltung oder die Zucht von Aquarienfischen Verwendung finden. Natürlich muß man wissen, welche Werte das Leitungswasser hat, da sich die Menge des zugegebenen destillierten Wassers ja nach dem Mineralgehalt unseres Leitungswassers richten muß. Dabei müssen wir berücksichtigen, daß ein Grad Karbonathärte eine Leitfähigkeit von etwa 30 pS hat und auch der mittlere Wert des destillierten Wassers meist noch bei 2 pS liegt. Wenn wir von dieser Grundkenntnis ausgehen, können wir das Wasser nach zwei Methoden mischen.

Beispiel Nr. 1: Suche nach dem Mischungsverhältnis bei Kenntnis des Leitwertes in pS. Es steht ein Leitungswasser mit einer Karbonathärte von 15° zur Verfügung. 15 x 30 pS = 450 pS. Das gewünschte Zuchtwasser soll aber nur einen Leitwert von 50 pS haben.

Beispiel Nr. 2: Suche nach dem Mischungsverhältnis bei Kenntnis der Karbonathärte. Es steht wieder ein Leitungswasser mit einer Karbonathärte von 15° zur Verfügung. Das gewünschte Zuchtwasser soll jedoch nur 1° KH haben.

Wie schon beschrieben, wurde destilliertes Wasser in früheren Jahren durch Verdampfen und anschließende Abkühlung (Kondensierung) gewonnen. Heute ist es modern geworden, sich wissenschaftlicher auszudrücken: Man spricht von Ionenaustausch (Anionen und Kationen). In seinem Buch „Das richtige Aquarienwasser“ (LB 72) bespricht Günter Schmidt auch Themen, die für Diskus-Züchter von Interesse sind. Dabei sei auch darauf hingewiesen, daß das Messen des Leitwertes inzwischen nicht mehr zu den Unmöglichkeiten für einen Amateur zählt. Der von der Firma Tunze herausgebrachte Leitwertmesser gibt die genauen diesbezüglichen Wasserwerte auf einfache ablesbare Art an. Durch die Verwendung von Transistoren wurde der Bau im Taschenformat ermöglicht. Mit diesem Gerät ist es natürlich auch möglich, das im Beispiel 1 zu mischende Wasser ohne die Umrechnung über die Karbonathärte noch exakter zu berechnen und zur Kontrolle nachzumessen.

Das Ansäuern des Wassers

Das Ansäuern des Wassers kann auf drei Arten erfolgen: durch die Zugabe von Säure (etwa Phosphorsäure), durch die Zugabe von Torfextrakten oder durch das Filtern bzw. das Ansäuern über Spezialbehälter mit Hilfe von Fasertorf. Die Verwendung von Phosphorsäure ist etwas problematisch. Man sollte sie nur in Verbindung mit ständiger pH-Wert-Messung durchführen, dazu langsam und bei kräftiger Durchlüftung. Auch in einem großen Becken können einige Tropfen, zuviel und zu schnell gegeben, Kohlensäurevergiftungen verursachen. Überhaupt ist bei diesem System die Erzeugung der Kohlensäure und das damit verbundene starke Wachstum unerwünschter Algen nicht im Sinne des Diskus-Halters, und er sollte sein Wasser mit den schwächer reagierenden Substanzen, die aus Torf gewonnen wurden, ansäuern. Dabei hat sich die Verwendung von Fasertorf bei den meisten Haltern und Züchtern als die bequemste und gleichzeitig brauchbarste Methode herausgestellt. Ein Einmachglas mit Trichter und Belüftungsstein ist zwar keine schöne Sache, doch reicht darin eine Torffüllung meist schon, um dem Wasser über einige Wochen einen Säurevorrat mitzugeben. Bastler können sich ein besonderes Gerät zur Ansäuerung des Wassers bauen, das sich dann versteckt an der rückwärtigen Aquarienecke anbringen läßt (vergl. LB 49, Mayland, Aquarianers Bastelbuch). Zum Glück, auch vor allem für den technisch weniger versierten Aquarianer, gibt es heute Meßreagenzien für fast alle Meßbereiche in den Zoo-Handlungen zu kaufen, so daß die Meßprobleme, wie man sie aus früheren Jahren noch kennt, nicht mehr auftreten können.

 

 

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