Zucht der Aquarienfische

Die Zucht der Zierfische ist kein Privileg der Berufszüchter, sondern wird auch von Liebhabern mit besonderer Sorgfalt betrieben, zeigt ihnen doch die Paarungsfreudigkeit ihrer Pfleglinge deutlicher als jede andere Lebensäußerung, daß die Hälterungsbedingungen günstig sind.

Es gibt viele Fischarten, bei denen die Zucht so einfach ist, daß sie unter den primitivsten Verhältnissen und ohne besondere Wartung gelingt. Man denke z.B. an den Guppy, den Schwertträger und andere Lebendgebärende Zahnkarpfen. Aber auch unter den laichenden Arten lassen sich einige ohne große Erfahrung und Umstände züchten, so der Makropode, der Zebrabärbling, viele Cich-liden und andere mehr. Die meisten Arten erfordern jedoch zur Zucht eine fachkundige Hand, manche stellen auch an den Berufszüchter große Anforderungen, und viele Arten konnten in der Gefangenschaft noch gar nicht vermehrt werden. Der Anfänger mag aus diesen Hinweisen ersehen, daß in den meisten Fällen die jahrelange Erfahrung, aber auch eine intensive Arbeit und eine gute Beobachtung den Erfolg sichern. Manchmal allerdings führt auch eine glückliche Hand schnell zum Ziel.

Allgemein kann gesagt werden, daß die Fortpflanzung aller Fischarten kein besonderes Ereignis in deren Lebensablauf darstellt, sondern daß sich diese, durch Wirkstoffe geregelt, meist rhythmisch in den Lebenslauf einfügt und zu dessen normalem Ablauf notwendig ist. Nur tiefgreifende Einflüsse, die den ganzen Organismus beeinträchtigen, vermögen den Rhythmus zu stören oder sogar ganz auszuschalten. Solche störende Einflüsse treten häufig stark summiert in der Gefangenschaft auf, da diese den Tieren vollkommen veränderte Lebensbedingungen bietet.

Jedem Zuchtversuch sollte vor allem ein gründliches Studium der zu züchtenden Fischart vorausgehen, d.h., man orientiere sich zunächst so umfassend wie möglich über die Umweltbedingungen in den Heimatgebieten der betreffenden Art sowie ihre Fortpflanzungsbiologie. Unter Umweltbedingungen versteht man dabei alle physikalischen, chemischen und biologischen Faktoren, mit denen die Art in Wechselwirkung tritt, also z.B. Größe und Art der Heimatgewässer, Wasserqualität, Wassertemperatur, Belichtung, Bepflanzung, jahreszyklische Veränderungen dieser Faktoren durch Klimaeinflüsse und anderes mehr. Daß viele Arten sich in der Gefangenschaft noch nicht vermehren ließen, ist durch die Tatsache bedingt, daß man die natürlichen Verhältnisse nicht genügend kennt und die räumlichen Gegebenheiten im Aquarium zu beschränkt sind. Es wird sich als notwendig erweisen, in Zukunft gerade diesen Fragen besondere Aufmerksamkeit zu widmen, und die kleinen Expeditionen, die in aller Welt Fische erbeuten, werden neben den reinen Fangarbeiten immer mehr biologische Untersuchungen übernehmen müssen. Sie werden damit die Aufkäufer in die Lage versetzen, auch seltene Tiere in der Gefangenschaft ihren heimatlichen Bedingungen entsprechend zu pflegen und zu züchten.

Relativ einfach gestaltet sich die Zucht der meisten lebendgebärenden Arten. Die Bedingungen im Eierstock sind in der Freiheit und in der Gefangenschaft meist gleich und unabhängig von der Zusammensetzung und dem pH-Wert des Wassers. Trotzdem gibt es auch hier einzelne Arten, bei denen die Aufzucht der geborenen Jungtiere nicht ganz einfach ist.

Bei den eierlegenden Arten sind die Schwierigkeiten bei der Zucht in der Regel unvergleichlich größer. Besonders die farbenprächtigen Arten der weichen, an Torfextrakten reichen, schwach sauren Gewässer aus den Gebieten des Amazonenstromes und des Malaiischen Archipels lassen sich vielfach nur schwer züchten (vgl. auch Abschn.: Der pH-Wert des Wassers). In beiden Gebieten sind Härten von 0,5 bis 2°dH und pH-Werte von 4,5 bis 6,7 gemessen worden.

Im Gegensatz zur allgemeinen Pflege ist bei der Zucht wenigstens eine Annäherung an die natürlichen Wasserwerte anzustreben. Dazu kommt, daß Barben oft abgestandenes Wasser, Salmler Frischwasser bevorzugen. Wer über weiches Leitungswasser verfügt, muß streng darauf achten, daß dieses nicht gechlort ist (s. Bd. 2). So wie manche Arten weiches Wasser bevorzugen, gibt es auch solche, die hartes und sehr hartes Wasser beanspruchen und sich nur in solchem vermehren lassen, wie z. B. Telmatherina ladigesi.

Die Temperatur spielt oft eine größere Rolle, als ihr zuerkannt wird. Auch diese soll nach Möglichkeit den heimatlichen Verhältnissen entsprechen; die Angaben darüber sind leider sehr spärlich. Salmlern aus dem Oberlauf des Amazonas, z.B. dem Neontetra, sind Temperaturen von 21 bis 23 °C am besten bekömmlich, Bärblinge lieben in der Regel viel höhere Temperaturen zur Zucht. Auf alle Fälle ist es ratsam, bei Mißerfolgen auch diesen Faktor zu prüfen. Bei wenigen Fischen müssen die Eier eine Zeitlang luftfeucht liegen, bekannt dafür sind die bodenlaichenden Zahnkarpfen Südamerikas. Bei vielen Arten muß man die abgelegten Laichkörner vor Lichteinstrahlung schützen. Auch diese Erscheinung ist durch die natürlichen Verhältnisse bedingt.

Die betreffenden Arten legen ihre Eier in den Bodengrund oder zwischen dichten Pflanzenbeständen ab, in beiden Fällen wird so ein Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung erreicht.

Weitere sehr entscheidende Faktoren sind die Hälterung und die Auslese der Zuchtpaare. Es ist selbstverständlich, daß Zuchttiere eine ausreichende abwechslungsreiche Nahrung erhalten müssen. Besonders eine lang andauernde ausschließliche Enchytraeenfütterung sollte vermieden werden. Manche Zuchtaussicht ist schon von vornherein dadurch ungünstig, daß das Wohlbefinden der Zuchttiere durch die vorangegangene Behandlung weitgehend gestört ist.

Was soll diese Vielfalt der Angaben zeigen?

Ich habe oft erlebt, daß man von Zuchtgeheimnissen sprach und sich darunter eine allgemeingültige Regel vorstellte, die die mit Zuchterfolgen Begünstigten beherrschen und geheimhalten. Es kann wohl aufklärend gesagt werden, daß es solche allgemeingültige Zuchtregeln nicht gibt. Nicht jeder wird auch bei noch so großem Eifer ein guter Koch sein, nicht jeder ein Fischzüchter. Auch zu dieser Tätigkeit ist eine bestimmte Begabung erforderlich, die, durch Erfahrung geschult, Erfolge erzielt. Die Begabung zeichnet sich vor allem durch exakte, verständnisvolle Beobachtung der Vorgänge im Aquarium und durch die Fähigkeit aus, diese zur Zucht richtig zu kombinieren. Ich denke hier vor allem an die Züchter, die durch mühevolle Kleinarbeit unser Wissen in dieser Richtung immer mehr erweitern und uns so die gezielte Vermehrung fast aller Arten möglich machen. Statt dieser mystischen allgemeinen , Regel besitzen wir jedoch Zuchtregeln, die fast für jede Art andere Vorschriften enthalten und die, wie die Fachzeitschriften deutlich zeigen, eigentlich keine Geheimnisse sind. Aus diesen geht hervor, daß für die Neonzucht nur das Wasser, für die Keilfleckbarbenzucht die Wahl der Zuchtpaare und das Wasser, für die rationelle Skalarezucht die Wasserbewegung neben den sich entwickeln-den Eiern, bei der Thayeria-Zucht der Wechsel des Wassers nach der Eiablage, bei der Glasbarschzucht die Naupliennahrung der Jungfische usw. wichtig sind.

Es ist selbstverständlich, daß dabei jede Regel einen gewissen Spielraum läßt, d.h., daß in enge-j ren oder weiteren Grenzen mehrere Wege zum Ziele führen können.

Im Prinzip kann man bei der Fischzucht drei Abschnitte unterscheiden:

  1. Auslösung der Paarung
  2. Betreuung des Laiches
  3. Aufzucht der Jungfische

In jedem der genannten Abschnitte muß der Züchter unterschiedliche Fachkenntnisse beherrschen und die Züchtungsarbeit entsprechend abstimmen. Es wird empfohlen, folgende Gesichtspunkte bei Zuchtversuchen zu beachten:

Zur Zucht wählt man am besten Tiere, die schon im Gesellschaftsbecken füreinander Interesse zeigen und hinsichtlich der Gestalt und Farbe vorbildlich sind.

Ein weiterer, sehr wesentlicher Faktor ist die richtige Betreuung der zur Zucht bestimmten Weibchen. Die Paarungsmöglichkeit der Weibchen ist an eine periodische Reifung der Eizellen gebunden. Nur wenn vollständig ausgereifte Eier im Ovar vorhanden sind, schreiten die Tiere zur Fortpflanzung. Da die Eizellen während des Reifungsprozesses durch Nährstoffaufnahme größer werden , kann man äußerlich ein langsames Anschwellen des Körperumfanges feststellen; man bezeichnet diesen Vorgang als Ansetzen des Laiches. Kommt ein Weibchen in eine solche Periode, so muß unbedingt dafür Sorge getragen werden, daß es ablaichen kann, d.h., es ist eine Zucht einzuleiten. Wird dem Tier die Möglichkeit abzulaichen nicht gegeben, so verhärten und degenerieren die Eier im Eierstock. Folgeerscheinungen solcher Laichverhaltungen sind Unfruchtbarkeit und Eierstockkrankheiten. Erfahrungsgemäß ist es ratsam, die Weibchen kurz nach dem Sichtbarwerden des Laichansatzes in das Zuchtbecken zu bringen und nicht zu warten, bis sie unförmig dick geworden sind. Das Absetzen der reifen Eier muß dem Weibchen auch dann möglich gemacht werden, wenn die Futterbeschaffung für die Jungfische nicht gewährleistet ist. Viele Arten laichen über mehrere Wochen in kurz aufeinanderfolgenden Zeitabständen, andere legen alle Eier auf einmal ab. Über solche Besonderheiten orientiere man sich in dem Kapitel »Beschreibung der Fischfamilien und -arten«.

Die größte Aufmerksamkeit erfordert die Vorbereitung des Zuchtbeckens. Dazu gehört:

Peinlichste Säuberung des Zuchtglases (Vollglasbecken).

Zusammenstellen des geeigneten Zuchtwassers. Als Grundlage sind hier zunächst die Einzelbeschreibungen der Arten zu studieren.

Sehr gut eignet sich reines Quellwasser. Relativ einfach läßt sich für die härteunempfindlichen oder
härteliebenden Arten (einige Lebendgebärende» einige Welse, Telmatherina ladigesi u.a.) hartes Quellwasser beschaffen. Viel schwieriger ist es oft, sehr weiches oder weiches Quellwasser zu erhalten, das die Grundlage für die Zucht fast aller Salmler, vieler Barben, Zahnkarpfen und Zwerg-cichliden ist. Wenn sich die Beschaffung von Quellwasser nicht realisieren läßt, verwende man Lei-tungs- oder Regenwasser. Jedes Wasser läßt sich leicht entsalzen (s. dazu S. 27). Frischwasser sollte mindestens fünf bis zehn Tage abstehen. Für viele Arten ist eine Filterung des Zuchtwassers über Torf zu empfehlen.

Stets prüfe man den pH-Wert des Wassers . Am günstigsten sind pH-Werte von 6,7 bis 7, nur in besonderen Fällen sind geringere pH-Werte notwendig. Gelegentlich sind. Quellen sehr sauer (pH 4 bis 5). Vorsicht bei Säuerlingen, sauer durch sehr hohenKohlensäuregehalt! Solches Wasser muß, um für die Aquaristik brauchbar zu sein, längere Zeit stark durchlüftet werden.

Ablaichpflanzen müssen vor dem Einbringen in das Zuchtbecken kräftig mit Frischwasser abgespült werden. Für Freilaicher, die ihre Eier wahllos zwischen den Pflanzen ausstoßen, sind Myrio-phyllum-, Fontinalis-,oifea-Büschel und Riccia-Polster am besten geeignet. Neuerdings werden auch Ablaichsubstrate aus Kunstfasern verwendet. Die ausgestoßenen Eier fallen zwischen die fein-blättrigen Pflanzen oder die künstlichen Laichsubstrate und sind so der Freßlust der Eltern entzogen. Je größere Laichräuber die Eltern sind, um so dichter müssen die Pflanzenbündel sein. Zum Schutze der auf den freien Bodengrund des Zuchtglases fallenden Eier kann man diesen mit schlehengroßen, peinlichst gesäuberten Glasperlen oder einem Rost aus Glasstäben bzw. Kunststoff abriegeln. Die Weibchen Lebendgebärender Zahnkarpfen werden vor dem Gebärtermin häufig in kleine Kunststoffkäfige gesetzt, aus denen die neugeborenen Jungfische herausfallen oder flüchten können. Die meisten Freilaicher benötigen im Zuchtbecken keinen Bodengrund; nur bei einigen Arten (Barben, Zahnkarpfen) ist ein solcher und manchmal auch eine Torfschicht angebracht.

Durchlüftung und Filterung sind im Zuchtbecken zu entbehren, meistens sogar schädlich.

Platzlaicher laichen mit Vorliebe an bestimmten Pflanzenblättern oder auf Steinen ab. Solche Eigenarten sind aus den Einzelbeschreibungen der Arten zu ersehen.

–    Auch beim Einsetzen der Zuchtpaare sind die Einzelbeschreibungen zu beachten. Bei vielen Arten werden die Partner gleichzeitig eingesetzt, bei Barben häufig erst die Weibchen.

Die Paarung kann bald nach dem Einsetzen oder erst nach Tagen erfolgen. In solchen Fällen gehen der Paarung meist mehrere Scheinpaarungen voraus.

Die Zuchtpaare sind laufend zu beobachten, sollen jedoch möglichst wenig gestört werden.

–    Die Fütterung während der Laichperiode soll nicht mit Kleinkrebsen, sondern nur mit Enchy-traeen, kleinen Fliegenmaden oder Tubifex erfolgen. Kleinkrebse fallen die abgelegten Eier an. Nach der Eiablage, die bei manchen Arten mehrere Tage dauert, sind bei kannibalischen Arten die Elterntiere möglichst rasch zu entfernen. Bei brutpflegenden Arten ist oft das Verbleiben eines Partners, in der Regel des Männchens, notwendig (Buntbarsche, Labyrinthfische).

Anfänger sollen besonders beachten: Fischeier sind oft sehr schwer zu sehen, am besten erkennt man diese im Gegenlicht!

–    Die Behandlung des Fischlaiches erfordert einige Erfahrung. Bei empfindlichen Freilaichen wird der Laich vorsichtig aus dem Zuchtbecken herausgestochen, d.h., die einzelnen Laichkörper werden mit einer weiten Pipette oder einem Stechrohr angesaugt und in ein neues Zuchtglas, das genau dasselbe Wasser enthält, übertragen. Gleiche Temperaturen in beiden Becken sind Voraussetzung. Auf diese Weise lassen sich auch die locker in den Wasserpflanzen hängenden Eier versetzen.

Nach einer anderen Regel verbleiben die Eier im Zuchtbecken, dessen Wasser teilweise ganz vorsichtig durch gleichwertiges Wasser ersetzt wird. Ich selbst empfehle, die erste Methode mit genügender Vorsicht anzuwenden. Bei brutpflegenden Arten kann man die Eier den Elterntieren belassen, zur rationellen Zucht ist allerdings auch hier eine Isolierung des Geleges angezeigt.

–    Der Laich ist dunkel zu halten und dauernd zu beobachten. Das sogenannte »Verpilzen« der Eier ist leider in der Fischzucht eine sehr alltägliche Erscheinung. Die Ursachen des Verpilzens werden deshalb oft nicht mehr als Zuchtfehler, sondern als Folgeerscheinung einer schlechten Befruchtung angesehen. Gerade deshalb ist ausdrücklich zu betonen, daß das Verpilzen nur in den allerseltensten Fällen auf eine schlechte Befruchtung, sondern fast immer auf grobe Zuchtfehler
zurückzuführen ist. Solche Zuchtfehler sind: ungeeignetes Wasser, Unvorsichtigkeiten beim Übertragen der Laichkörner, ungeeignete Temperaturen, zu helle Aufbewahrung des Laiches.

Die Art und Weise, wie diese Zuchtfehler das sich entwickelnde Ei schädigen, ist verschieden . Daneben kommt im Zuchtbecken aber auch der Bakterienentwicklung besondere Bedeutung zu. Während der Paarung werden in das Wasser nicht nur Ei- und Samenzellen abgegeben, sondern auch Schleim, Samenflüssigkeit und verschiedene andere Sekrete. Zudem vereinigt sich nur ein ganz geringer Prozentsatz der abgestoßenen Samenfäden mit den Eizellen, alle übrigen sterben ab. Das Wasser ist deshalb nach der Paarung viel reicher an organischen Stoffen. In der freien Natur werden diese Stoffe entweder fortgeschwemmt oder können sich in einer großen Wassermenge verteilen. In den engen Verhältnissen des Zuchtbeckens ist der natürliche Abtransport der organischen Stoffe – dieser idealen Nährböden für Fäulnisbakterien – nicht ohne weiteres möglich. Hier lassen sich nur folgende Auswege finden:

a)    Die frisch abgelegten, befruchteten Eier werden in ein chemisch gleichartiges, gleichtemperiertes Wasser überführt.

b)    Die Vermehrung der Fäulnisbakterien wird von vornherein dadurch verhindert, daß man zur Zucht dem Wasser bakteriostatische Stoffe, d.h. Stoffe, die die Vermehrung der Bakterien einschränken, zusetzt. Besonders günstig wirken in dieser Hinsicht Torfextraktstoffe . Gelingt es nicht, die sich entwickelnden Eizellen lebenskräftig zu erhalten, und sind die bakteriostatischen Substanzen zu schwach, so gewinnen die Bakterien bald die Oberhand. Zunächst wird durch ihre Tätigkeit der Sauerstoffgehalt des Wassers verringert, außerdem entstehen durch die Eiweißspaltung Giftstoffe. Beide Faktoren können die geschwächten Eier weiter schädigen und ermöglichen schließlich den Bakterien, sich in dichten Rasen auf den Eiern anzusiedeln. Die aufblühende Bakterienflora leitet eine Massenvermehrung der Infusorien ein, die mit besonderer Vorliebe auf den Bakterienrasen der Eier weiden. So vermehren sich in kürzester Zeit die Kleinstlebewesen unermeßlich. Die Sauerstoffverhältnisse werden weiter verschlechtert, die Giftstoffkonzentration steigt an, die geschädigten Eizellen werden zerstört, von Pilzen besiedelt, andere Eizellen werden geschwächt. So wächst die zerstörende Wirkung lawinenartig an und macht die ganze Brut zunichte.

Gesunde, sich entwickelnde Fischeier sind in der Regel klar und durchsichtig, abgestorbene Eier sind milchig, undurchsichtig, oft deformiert. Von einer Strahlenzone umgebene Eier sind verpilzt. Fischlaich richtig betreuen heißt, jedes abgestorbene Ei möglichst schnell entfernen und so die Gefahr in Grenzen halten. Je umsichtiger diese Betreuung durchgeführt wird, um so größer ist der Erfolg. Zur Entfernung der toten Fischeier wird ein Stechrohr oder eine Pipette verwendet.

Die frischgeschlüpften Jungfische sind oft so klein und durchsichtig, daß sie leicht übersehen werden können. Sie hängen während der ersten Lebenstage an den Scheiben oder Pflanzen des Zuchtbeckens (Salmler, Barben) oder liegen am Grund des Zuchtglases (Cichliden). In beiden Fällen benötigen sie große Ruhe; eine schwache Durchlüftung ist oft angebracht. Die Fütterung mit allerfeinsten Futtertieren (Nauplien, Rotato-rien) darf erst dann erfolgen, wenn der Dottersack ganz aufgezehrt ist und die Tiere unruhig und frei schwimmend im Zuchtbecken nach Futter suchen.

Die Fütterung der Fischbrut erfordert viel Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Das peinlichst ausgesiebte Feinfutter wird am besten in vielen kleinen Portionen gegeben. Es ist ausreichend, jedoch nicht zuviel zu füttern. Dabei muß genau beobachtet werden, ob die Tiere das gegebene Futter annehmen oder ob es ihnen nicht zusagt. Jungfische müssen immer einen unwahrscheinlich großen runden Bauch aufweisen. Es ist oft vorteil-
haft, das Jungfischbecken nachts mit einer schwachen Lampe zu erhellen, damit die Tiere auch während dieser Zeit fressen können. Besonders bei Barben und Salmlern ist das Wasser im Aufzuchtbecken häufig zu erneuern, die Nichtbeachtung dieses Hinweises führt zu Flossen- und Körperverkrüppelungen.

Fast jede gelungene Zucht bringt neben zahlreichen wohlgestalteten Tieren einzelne Krüppel. Solche Einzel verkrüppelungen können durch Verletzungen des sich entwickelnden Keimes oder durch Hemmungen beim Schlüpfen aus der Eihülle und anderes mehr entstehen. Gelegentlich ist die ganze Nachzucht verkrüppelt. In solchen Fällen handelt es sich meistens um grobe Zuchtfehler, vorwiegend um ungeeignete Zuchttemperaturen und ungeeignete Wasserverhältnisse, seltener um Erbfehler. Mit der Größe der Tiere wächst auch ihre Widerstandsfähigkeit, und wenn sie die ersten Farbzeichnungen erkennen lassen, ist es meistens geschafft.

Diese wenigen Ratschläge deuten nur ungefähr an, welche vielseitigen Momente bei der Fischzucht zu beachten sind. Der Laie soll sich dadurch nicht abschrecken lassen. Erfolge werden ihm nur seine eigenen, in der Praxis erworbenen Erfahrungen bringen.

Abschließend sei jedoch nochmals betont: Die Fortpflanzung der Fische ist für diese kein Zeitvertreib in günstigen Lebensperioden, sondern eine biologische Notwendigkeit, die durch Wirkstoffe geregelt wird und integrativer Bestandteil des Lebensablaufes ist.

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